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Zurück zum Rundbrief Juni 2004 Im folgenden „Einspruch" macht Ralph Giordano seinem Zorn Luft. Viele mögen es nicht, wenn einer zornig wird; man sollte doch stets ruhig und moderat bleiben. - Ich plädiere eher dafür zu überlegen, ob dieser Zorn nicht begründet und verständlich ist. Hartmut Metzger Das verräterische Ungleichgewicht der Empörung Einspruch von Ralph Giordano gegen eine verbreitete Heuchelei Schluß mit Rücksicht, Taktik, Defensive: Die grenzenlos einseitige Schuldzuweisung an Israel durch weite Teile der veröffentlichten Meinung in Deutschland wird von uns nicht länger schweigend hingenommen - es muß endlich tacheles geredet werden! Äußert sich da doch eine Parteinahme, die Israel fortwährend und ganz selbstverständlich auf die Anklagebank katapultiert. Dem setzen wir unsere Parteinahme entgegen. Der geplante Tod von Scheich Jassin und Abdel Asis Rantisi? Europa - deine Heuchler! Warum soll die gezielte Tötung zweier Männer, die unzählige gezielte Morde angeordnet haben, schlimmer sein als diese Morde? Wieso allenthalben das verräterische Ungleichgewicht der Empörung? Es ist widerwärtig zu erleben, wie empfindungslos sich weite Kreise über die israelischen Opfer hinwegsetzen - und das ausgerechnet in Deutschland, das bekanntlich auf eine lange Tradition als Weltmeister der Selbstbeweinung zurückblicken kann. Wollen ungefährdete Deutsche tatsächlich und allen Ernstes die Israelis besserwisserisch belehren, wie deren Staat und Regierung ihre Bürgerinnen und Bürger vor den Mordanschlägen von Hamas, Dschihad und Hisbollah zu schützen hätten? Herunter vom hohen Roß! Ich kann mir nur allzu gut vorstellen, was hierzulande los wäre, wenn in den letzten zwei Jahren zwischen Flensburg und München, Köln und Frankfurt an der Oder dreitausend Tote durch Terrorakte zu beklagen gewesen wären, darunter neunhundert durch Selbstmordattentäter. - Längst würde Panik und Chaos ausgebrochen sein, und die Rufe nach dem „Starken Mann" und der Todesstrafe wären immer lauter zu hören. Es ist höchst fraglich, ob die Demokratie Deutschland unter solchen Bedrohungen so stabil bleiben würde, wie die Demokratie Israel nachweisbar geblieben ist. Ich weigere mich, die Maßnahmen israelischer Regierungen zum Schutze ihrer Bürgerinnen und Bürger auf die gleiche Stufe mit den hinterhältigen Anschlägen arabischer Terroristen zu setzen. Was ist das für eine Gesellschaft, die Teenagern suggeriert, daß sie, nachdem sie möglichst viele Menschen, darunter andere Teenager, in den Tod gerissen hätten, schon im nächsten Augenblick an den Busen glutäugiger Jungfrauen schmachten werden? Was ist das für eine Gesellschaft, deren eine Hälfte, die weibliche, so gut wie rechtlos ist, in der Menschenrechte unbekannt sind, die eigenen Eliten total versagt haben? So wenig, wie arabische Herrscher fähig waren, sich Saddams zu entledigen, also des Mannes, den sie wie den Teufel gefürchtet haben, so wenig sind sie imstande oder überhaupt willens, den einheimischen Terroristen das Handwerk zu legen. Die stereotype Aufforderung der Linkseuropäer, Israel möge Gewalt nicht mit Gewalt vergelten, zielt, ganz abgesehen von seiner unverschämten Einseitigkeit, auch noch völlig am Charakter des Konfliktes vorbei. Die Israelis könnten sich wie die Engel benehmen - es würde die mörderischen Exekutoren von Hamas, Dschihad und Hisbollah nicht im mindesten beeindrucken. Die wollen keinen Frieden, die wollen Israel von der Landkarte des Nahen Ostens ausradieren. Das ist ihre Losung - die einzige, die sie haben. Aus: Jüdische Allgemeine vom 29. April 2004 Home - Über uns - Schabbat Lesungen - Aktueller Rundbrief - Archiv - Reisen - Weltgebetstag - Kontakt und Hinweise - Bilder Denkendorfer Kreis für christlich-jüdische Begegnung e.V. |