Denkendorfer Kreis
             
für christlich-jüdische Begegnung e.V.

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Aus der österreichischen Zeitschrift „Dialog-Du Siach / Christlich-jüdische Informationen" (Heft Nummer 56 vom August 2004) übernehme ich gerne die folgende Nachricht. Leider wird diese Papstbotschaft in der nicht katholischen christlichen Welt viel zu wenig gehört. Hartmut Metzger

Papstbotschaft zum Synagogenjubiläum in Rom

(Ein nahe stehender und nahe gehender Gruß zum Fest)

Vatikanstadt - Ein Ende von Hass, Feindschaft und Gewalt zwischen Juden, Christen und Muslimen im Heiligen Land hat Papst Johannes Paul II. gefordert. In einer Grußbotschaft zur 100-Jahr-Feier der römischen Synagoge beschwor der Papst die Notwendigkeit, die tragische Vergangenheit zu beklagen und Feindschaft gegenüber dem jüdischen Volk zu verurteilen. Es genüge aber nicht, man müsse heute Freundschaft, Hochachtung und brüderliche Beziehungen entwickeln, forderte der Papst.

Das Schreiben wurde von den Versammelten zum Teil mit „standing ovations" aufgenommen.

„Jesus ist Jude, und er ist es für immer"

„Ihr seid und bleibt das erstgeborene Volk des Bundes, unsere älteren Brüder", betonte Johannes Paul II.: „Ihr wart bereits Bürger dieser Stadt Rom vor 2000 Jahren, bevor der Fischer Petrus eintraf und auch Paulus hierher in Ketten kam." Und er fügte hinzu:

„Jesus ist Jude, und er ist es für immer."

Besorgt äußerte sich der Papst in seiner Botschaft über die anhaltende Gewalt im Heiligen Land. „In jener Weltgegend wird zu viel unschuldiges Blut von Israelis und Palästinensern vergossen", so der Papst wörtlich. Man müsse den „Gott des Friedens bitten, dass die Feindschaft nicht in Hass diejenigen mitreißt, die sich an den gleichen Vater Abraham wenden - Juden, Christen und Muslime." An die Stelle der Feindschaft müsse das klare Bewusstsein der gemeinsamen Bande und der gemeinsamen Verantwortung treten.

Die „weiteste Reise" ging über drei Kilometer

Ursprünglich sollte der Papst selbst zum Jubiläum der Synagoge kommen. Aber Johannes Paul II. sagte ab. Sein spektakulärer Synagogen-Besuch vom 13. April 1986, der den atmosphärischen Durchbruch in den vatikanisch-jüdischen Beziehungen bedeutete, sollte einmalig bleiben. Der historische Akt sollte nicht auf eine Stufe mit einem lokalen Ereignis gesetzt werden.

1986 betrat erstmals ein Papst eine jüdische Synagoge. Diese „weiteste Reise" von gerade drei Kilometern Autofahrt besiegelte den vom Konzil eingeleiteten Aussöhnungsprozess. „Ihr seid unsere bevorzugten Brüder und, so könnte man gewissermaßen sagen, unsere älteren Brüder", sagte der Papst, bevor er Oberrabbiner Elio Toaff umarmte. Ausdrücklich wiederholte er die Absage des Konzils an alle Diskriminierung gegenüber Juden, an allen Hass.

Und unmissverständlich bekundete auch Johannes Paul II. seine „tiefe Abscheu" über den Holocaust.

 

(Kathpress, 24. 5. 2004)

Noch eine persönliche Bemerkung! Juden fühlen sich bei der „Aufnahme in die Familie" als „ältere Brüder" nicht unbedingt geehrt. Doch ich möchte den Papst so interpretieren: Wir Christen gehören zu ihnen, und zwar als die jüngeren Familienmitglieder. Diese lassen es gegenüber den älteren nicht an Respekt und Zuneigung fehlen. Und sie kommen schon gar nicht auf den Gedanken, dass man den älteren die Zusammengehörigkeit aufkündigen könnte oder sie missionieren müsste. Brüder sind sich nicht immer einig; aber sie gehören zusammen, und, wo die Familie intakt ist, haben die älteren, wie der Papst sagt, eine „bevorzugte" Stellung. - M. E. könnte die nicht katholische Christenheit in diesem Punkt vom Papst noch viel lernen! Hartmut Metzger