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Schon viele Jahre ist Jutta Zimmermann Chronistin von den sommerlichen Jahrestreffen des Denkendorfer Kreises. So berichtet sie auch dieses Jahr, was sich beim „Sommertreff" am 4. Juli in Denkendorf abgespielt hat. HM
Eine Brücke der Freundschaft nach Litauen Jahrestreffen des Denkendorfer Kreises mit Juliana Zarchi aus Kaunas Von Jutta Zimmermann Alle Jahre wieder kommt er, der Sommertreff, und führt Freunde und Mitglieder zu einem erlebnisreichen Sonntagnachmittag der Begegnung im vertrauten Kloster Denkendorf zusammen. Und jedes Jahr gibt es, neben dem wichtigen Programmpunkt "Man sieht und unterhält sich" einen thematischen Schwerpunkt. Dieses Jahr war es der Bericht von Juliana Zarchi über jüdisches Leben in Kaunas/Litauen. Wer schon bei einer der Denkendorfer Reisen nach Polen und Litauen dabei war, hat Juliana in Kaunas als ortskundige Stadtführerin, Gesprächspartnerin und vor allem als unermüdliche, gewandte Dolmetscherin kennen gelernt. Nun konnten wir sie in Denkendorf begrüßen und als Referentin erleben. Mit wenigen Sätzen stellt sie sich zunächst selber vor. 1938 als "Halbjüdin" - Tochter einer deutschen Mutter und eines jüdischen Vaters - geboren, erlebt sie als kleines Kind die Jahre der deutschen Besetzung Litauens. Ihr Vater wird ermordet, sie selbst kommt ins Ghetto von Kaunas, wird aber durch Freunde befreit und versteckt. Nach 1945 werden sie und ihre Mutter als Deutsche von den Sowjets nach Tadschikistan verschleppt, wo sie jahrelang unter schwersten Bedingungen leben. Schließlich kehren sie nach Litauen zurück. Die von ihrer Mutter ersehnte Ausreise nach Deutschland gelingt nie. Juliana studiert Sprachen und deutsche Literatur. Sie unterrichtet an Schulen und, bis heute, an der Universität von Kaunas. Als der Denkendorfer Kreis 1997 mit seinem Hilfsprogramm für alte jüdische Menschen in Kaunas beginnt, wird Juliana schnell zu einer wichtigen Kontaktperson: Sie kennt die "russischen Juden", die wie sie viele Jahre als Verschleppte in der Sowjetunion lebten und nach ihrer Rückkehr mühsam eine kärgliche Existenz aufgebaut haben. Bei ihnen macht sie Besuche, ihnen kann sie, dank der Spenden des Denkendorfer Kreises, in Notfällen helfen. Sie arbeitet in der "Ronder-Kommission" mit, die für die Verteilung der Mittel zuständig ist und etwa 70 bis 90 Bedürftige regelmäßig unterstützt. Die Einzelschicksale alter, oft alleinstehender Menschen, von denen sie erzählt, zeigen uns, wie wichtig und Not-wendend unsere Hilfe ist. Dankbar erwähnt sie die Koffer mit Medikamenten, die die Reisegruppe im Mai dieses Jahres mitbrachte. Medikamente sind teuer und werden von keiner Kasse oder Versicherung bezahlt. Nach 1945 gab es in ganz Litauen noch etwa 2000 Juden. Heute sind es, auch durch Zuwanderung, schätzungsweise 3500, davon leben etwa 450 in Kaunas. Es gibt eine schöne, große Synagoge, aber kaum ein synagogales Leben. In den Jahrzehnten unter sowjetischer Herrschaft gab es in Litauen keine Auseinandersetzung mit der Zeit des Judenmords und der Rolle, die das Volk dabei spielte. Seit einigen Jahren beginnt man, diese Vergangenheit aufzuarbeiten. Aber man begegnet auch verstecktem Antisemitismus, etwa im Internet. Es gibt unter unseren jüdischen Freunden in Kaunas einige, die ganz gut deutsch können und den Rundbrief bekommen. Juliana betont, wie gründlich sie ihn lesen und wie dankbar sie sind für die "andere Perspektive" im Blick auf Israel. Die finanzielle Unterstützung durch den Denkendorfer Kreis ist für die Menschen, die sie empfangen, eine ganz große Hilfe. Aber dass es in Deutschland Menschen gibt, die an sie denken, die sogar zu Besuch kommen und sich für ihr Leben und Schicksal interessieren, das ist eine Hilfe, die weit über das "nur" Materielle hinausgeht. "Es ist gut für ihre Seele." Mit diesen Worten schließt Juliana ihren bewegenden Bericht.
Schon in seiner Begrüßung hatte Dr. Metzger noch andere Gäste willkommen geheißen. Aus Israel ist das Ehepaar Zair unter uns, Mitarbeiter der Familie Gottschalk in Migdal. Und dann sind da noch jüdische Gäste aus Petrosawodsk, die mit Dr. Volkmann von Tübingen gekommen sind. Über die Verbindung von Tübingen zu Petrosawodsk ist im Rundbrief schon öfter berichtet worden, und so freuen wir uns über die herzlichen Grüße, die Herr Tsvibel von der dortigen jüdischen Gemeinde dem Denkendorfer Kreis überbringt. Wie jedes Jahr folgt auf das fröhliche nachmittägliche Treffen noch die Mitgliederversammlung. Da gibt es sachliche Informationen und Fragen. Aber es wird auch der Dank zum Ausdruck gebracht - Dank an alle, die mit ihrem Einsatz im Vorstand und anderswo all das ermöglichen, was im Denkendorfer Kreis "läuft". Diesem Dank und all den guten Wünschen für die weitere Arbeit schließt sich die Chronistin von Herzen an! Jutta Zimmermann
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