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In der Festschrift zum Weltmissionstag der Diözese Rottenburg-Stuttgart steht neben meinem Grußwort (siehe den vorangegangenen Artikel S. 37/38), wie es der Zufall so will, das Grußwort von Mitri Raheb, dem „Evang. Luth. Pfarrer der Weihnachtskirche in Bethlehem". Sein Text ist kurz und enthält nur vier Absätze. In jedem Absatz kommt zum Anfang als Einstieg direkt oder indirekt eine Anklage gegen Israel, darauf folgen eine Überleitung und ein Dank an die vielen Freunde, die in dieser Hoffnungslosigkeit den Christen in Bethlehem beistehen. Nirgendwo ist auch nur eine Andeutung zu hören, wie schwierig die Lage in Bethlehem unter dem Druck der moslemischen Mehrheit geworden ist. Weil ich mich nachher inhaltlich auf diese Art von Information und Suggestion beziehen will, zitiere ich aus dem „Grußwort von Mitri Raheb" jeweils die israelkritischen Eingangssätze der vier Absätze. „Salaam aus Bethlehem. Ich sende Euch diesen Gruß aus unserer belagerten Stadt. Die Verbindung zu Euch bedeutet sehr viel für uns.... In dieser Stadt, in der vor 2000 Jahren die Friedensbotschaft verkündet wurde, herrscht heute Unfriede und Gewalt. Bethlehem ist seit mehr als drei Jahren umzingelt: Keiner darf raus, keiner darf rein.... Aber selbst in dieser Zeit, in der die 17 Kilometer lange Apartheid-Mauer unsere Stadt einschnürt und sie in ein großes Gefängnis verwandelt hat, sind wir entschlossen vor allem in die Zukunft von Kindern und Jugendlichen zu investieren.... Manchmal allerdings wissen wir nicht mehr, wie wir dem allen Stand halten, wie wir dieses Leben in der Enge ertragen sollen, hätten wir nicht die vielen Freunde.... „Bethlehem ist seit mehr als drei Jahren umzingelt: Keiner darf raus, keiner darf rein." Diese Botschaft ist für jeden Hörer aufwühlend. Mit Bethlehem verbinden sich für Christenleute - im übrigen auch für Juden! - ganz besondere Gefühle. Bethlehem, eine belagerte, eingeschlossene Stadt, ein modernes Gefängnis! Das ist wahrlich keine Friedensbotschaft, wie sie eigentlich von Bethlehem kommen sollte. Doch könnte es sein, dass der Pfarrer der Weihnachtskirche ein bisschen übertreibt? Dass in Bethlehem große Not herrscht, das kann und will niemand abstreiten. Aber woher rührt diese Not? Hat der Geistliche einmal gezählt - und davon erzählt -, wie viele Selbstmordattentäter aus Bethlehem kamen? Es waren keine Christen, sondern Moslems, aber das dürfte er der Wahrheit wegen ja auch erwähnen. Hat er erzählt, wie Terroristen - ja, es waren moslemische Terroristen, das hätte er aber nicht verschweigen müssen - immer dann, wenn die Armee abziehen wollte, in der irrigen Meinung, die palästinensische Polizei würde dem Terror wehren, durch neue Anschläge diese Pläne nicht zur Ausführung kommen ließen? Viele Bewohner in Bethlehem leiden ohne Zweifel sehr unter den strengen Kontrollen, die ihre Bewegungsfreiheit stark einengen. Aber die Übertreibung von dem „großen Gefängnis" erweckt bei den Hörern zwar Zorn und Mitleid zugleich, trägt zu einem Verständnis der Lage aber nichts bei. Und wie soll man dem Pfarrer der Weihnachtskirche die dramatische Aussage „Keiner kommt raus, keiner kommt rein" noch abnehmen, wenn man in kirchlichen und anderen Nachrichten von seiner regen Reisetätigkeit erfährt? Seine Gemeinde scheint die weite Welt und sein Auftrag die eigenartige Berichterstattung über Bethlehem zu sein, die ihn häufig unterwegs sein lassen. Und da verkündet er in seinem Grußwort schriftlich: Keiner kommt raus, keiner kommt rein. In der Tat, er lässt keine Gelegenheit aus, Bethlehem ins Blickfeld zu rücken! Zu einem seiner vielen Auslandsaufenthalte und zur Lage in Bethlehem sollen die folgenden Berichte einmal die andere Seite der Medaille zeigen.
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