Denkendorfer Kreis
             
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Unsere badischen Freunde („Kirche und Israel in Baden e.V.") veröffentlichten in ihrem „Rundbrief" vom Juli 2004 den folgenden Artikel, den Ulrich Sahm am 7. Mai 2004 aus Jerusalem übermittelt hat. HM

„Christen fliehen aus Bethlehem"

Von Ulrich Sahm

Der Krippenplatz vor der Geburtskirche in Bethlehem heißt jetzt „Omar-Platz", wie die Omar-Moschee gegenüber der Geburtskirche, wo gemäß der Tradition die Krippe Jesu stand. Über zehntausend Christen (exakt 10 754) haben seit der Ankunft Arafats in Bethlehem, einen Tag vor Weihnachten 1994, die palästinensischen Gebiete verlassen. Moslems verdrängen zunehmend die Christen aus der Geburtsstadt Jesu.

Als Bethlehems christlicher Bürgermeister Chanan Nassar von einer Visite bei Arafat heimkehrte, wo er sich über Grabschändungen, Morde und Überfälle beschwerte, musste er erst einmal sein brennendes Auto löschen.

Diese Angaben stammen von zwei namentlich nicht genannten Christen, die seit 1994 Buch führen über den Zustand der Christen in den Palästinensergebieten. Ihren Report haben sie anonym nach Israel geschmuggelt, wo das israelische Militär eine „vertrauliche" Zusammenfassung schuf. Die wurde israelischen Ministern und dem lateinischen Patriarchen vorgelegt. „Unter der Hand" gelangte sie auch an den Korrespondenten dieser Zeitung.

Die darin enthaltenen Details über Christenverfolgungen, Morde, Vergewaltigungen und Friedhofsschändungen entsprechen voll den Informationen, die christliche Sprecher immer wieder mitgeteilt haben. Mangels konkreter Bestätigungen und umfassender Berichte wurden sie jedoch nur sporadisch veröffentlicht.

Der lateinische Patriarch bestätigte nach mehrmaligen Anfragen eine Abwanderung von nur 2000 Christen, aus „wirtschaftlichen Gründen und wegen israelischer Unterdrückung". Christenverfolgungen durch die „muslimischen Brüder" dementierte er.

Patriarch Sabbah weigerte sich, zu dem neuen Report Stellung zu nehmen. Eine „Flucht" von über zehntausend Christen entspricht allerdings voll dem „Eindruck" bei Gesprächen mit Christen in der Gegend von Bethlehem.

Gemäß dem Report wuchsen die Spannungen zwischen Christen und Moslems infolge einer Stärkung islamistischer Strömungen. Problematisch sei das soziale Gefälle zwischen wohlhabenden Christen und eher ärmlichen Moslems. Den Christen wurde vorgeworfen, mit Israel „kollaboriert" zu haben, weil sie sich nicht aktiv an der Intifada beteiligten.

Das Chaos in den Palästinensergebieten führte zu einer Zunahme von Überfällen auf Christen. Mindestens drei namentlich bekannte Christen wurden ermordet, weil sie Christen waren. Christliche Geschäftsleute wurden verhaftet und mussten sich mit Lösegeld freikaufen. Gleichzeitig litten die Christen unter einem wirtschaftlichen Niedergang wegen dem Ausbleiben von Touristen.

Dennoch gerieten die Spannungen „nicht völlig aus der Kontrolle", wegen Arafats Rücksicht auf die christliche Minderheit. Aber es wurden Friedhofsschändungen verzeichnet, physische Überfälle auf führende Christen, Zerstörung und Brandschatzung christlicher Läden, Beschlagnahme von Grundstücken ausgewanderter oder gestorbener Christen, darunter sogar Grundstücke der Orthodoxen Kirchen.

Christliche Frauen seien beleidigt worden. Christliche Mädchen „verschwanden". Für Christen gespendete Hilfsgelder aus dem Ausland wurden beschlagnahmt und an Moslems verteilt.

Christliche Sprecher in Jerusalem bestätigten diese Angaben, wollten sich aber nicht identifizieren, um sich nicht zu gefährden, wenn sie in Bethlehem Kontakt mit ihren Glaubensbrüdern halten.

Weiter heißt es in dem Report, dass die Christen über Israel empört seien, weil im Rahmen des Kampfes gegen den Terror unschuldige Christen und ihr Eigentum zum Opfer gefallen seien. Die Zäune und Mauern in Abu Dis bei Jerusalem sowie entlang der Grenze zu Bethlehem zerstören die enge Verflechtung von Christen aus Bethlehem mit den Gemeinden in Jerusalem. Die im Bau befindliche Mauer beim Grab der Erzmutter Rachel werde von den christlichen Gemeinden gar als „Todesstoß" empfunden. Christen in Bethlehem und Bethanien befürchten, von Israel abgespalten zu werden.

Beigefügte Statistiken ergeben, dass im Januar 1994, wenige Tage nach der Übergabe Bethlehems an die palästinensische Autonomiebehörde, genau 49 654 Christen in den palästinensisch kontrollierten Gebieten im Westjordanland und in Gaza lebten. Seitdem hätten 10 754 Christen diese Gebiete verlassen, etwa die Hälfte von ihnen seit dem Ausbruch der El-Aksa-Intifada im September 2000. Allein in Bethlehem, der größten Konzentration von Christen, sank deren Zahl von 29 401 auf nur noch 23 659.