Denkendorfer Kreis
             
für christlich-jüdische Begegnung e.V.

Home
Über uns
Aktueller Rundbrief
Archiv
Schabbat-Lesungen
Reisen
Weltgebetstag
Bilder
Kontakt und Hinweise

 

Seitenanfang verborgen

Am Dienstag, 22. Juni 2004, gab es die folgende Meldung über den 1. (!) UN-Kongress zum Thema Antisemitismus unter der Überschrift: „Annan bedauert anti-israelische UN-Resolution“.

Das war nicht besonders kühn; denn er bezog sich dabei auf die UN-Resolution von 1975, die Zionismus mit Rassismus gleichsetzte - und diese hatte die UNO ja mittlerweile zurückgenom­men.

Um so erstaunlicher sind die Worte, die der Generalsekretär sonst noch fand. Man kann es kaum fassen: Er ruft dazu auf, „aktiv und kompromisslos diejenigen zu widerlegen, die (...) weiter Lügen oder widerwärtige Stereotypen über Juden und Judentum verbreiten. Wenn wir nach Gerechtig­keit für die Palästinenser suchen - wie wir es müssen -, lasst uns fest sein und jeden nicht aner­kennen, der versucht, diesen Fall zu benutzen, um Hass gegen Juden zu entflammen - in Israel oder woanders.“

Wir sind nicht allein, wenn wir zurückfragen: Und wie steht es damit bei den Vereinten Nationen? Doch hören wir zuerst auf Kofi Annan!

(Die aufgeworfene Frage, und viele andere dazu, wurden auch bei diesem Kongress laut. Eine Stimme hören Sie im nächsten Artikel, eine Frau, Jura-Professorin, die deutlich und  konkret zum Thema spricht.)     Hartmut Metzger

„Der Kampf gegen Antisemitismus muss unser Kampf sein“
 Kofi Annan: „Juden müssen überall spüren, dass die Vereinten Nationen ihre Heimat sind.

NEW YORK (inn) - Zionismus kann nicht mit Rassismus gleichgesetzt werden. Das sagte der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Kofi Annan, am Montagabend beim ersten UN-Kongress überhaupt, der sich ausschließlich mit dem Thema Antisemitismus befasst. Er bezog sich damit auf eine Resolution der UN-Generalversammlung aus dem Jahr 1975, die Israel in diesem Sinne kritisiert hatte.

 „In Zukunft werden sich Seminare mit anderen speziellen Gruppen beschäftigen, die in vielen Teilen der Welt einer Intoleranz ausgesetzt sind", so Annan in seiner Eröffnungsrede vor rund 700 Vertretern von jüdischen, christlichen, moslemischen und hinduistischen Organisa­tionen. „Doch Antisemitismus ist sicherlich ein gutes Einstiegsthema, weil er, durch die Ge­schichte hindurch, eine einzigartige Erscheinungsform von Hass, Intoleranz und Verfolgung gewesen ist. Antisemitismus hat sogar in Gesellschaften geblüht, wo niemals Juden lebten, und er war ein Vorläufer der Diskriminierung anderer Personengruppen.

Das Aufkommen von Antisemitismus irgendwo ist eine Bedrohung für Menschen überall. Deshalb kämpfen wir durch den Kampf gegen den Antisemitismus für die Zukunft der ganzen Menschheit.“

 Als Inbegriff dieses Übels sehe er die Schoah: „Wir wissen - und dennoch können wir es noch nicht richtig begreifen -, dass sechs Millionen unschuldige jüdische Männer, Frauen und Kinder ermordet wurden, nur weil sie Juden waren. Dies ist ein Verbrechen gegen die Menschheit, das jegliche Vorstellungskraft übersteigt.“

Annan wies darauf hin, dass der Begriff „Vereinte Nationen“ zunächst die Allianz von Staaten bezeichnete, die „dieses barbarische Regime bekämpfen“ wollten. „Deshalb ist es richtig, dass die Vereinten Nationen aus der Asche des Holocaust entstanden sind. Und eine Menschenrechtsagenda, die es versäumt, Antisemitismus anzusprechen, verleugnet ihre eigene Geschichte.“

 Es sei hart zu glauben, dass „60 Jahre nach der Tragödie des Holocaust einmal mehr Anti­semitismus aufkommt. Aber es steht fest, dass wir Zeugen eines alarmierenden Wieder­erwachens dieses Phänomens in neuen Erscheinungsformen sind. Diesmal darf und kann die Welt nicht schweigen. Wir sind es uns ebenso wie unseren jüdischen Brüdern und Schwes­tern schuldig, dass wir uns der speziellen Strömung des Hasses fest entgegenstellen, die der Antisemitismus repräsentiert. Das bedeutet, wir müssen die Natur der heutigen Erschei­nungsformen des Antisemitismus näher untersuchen - dies ist das Ziel dieses Seminars.“

Annan fügte hinzu:  „Lasst uns zugeben, dass die UN-Aufzeichnungen bezüglich Antisemitis­mus hin und wieder unseren Idealen nicht entsprochen haben. Die Resolution der General­versammlung von 1975, die Zionismus mit Rassismus gleichsetzte, war eine besonders unglückliche Entscheidung. Ich bin froh, dass sie seitdem aufgehoben worden ist.“

Dennoch sei ständige Wachsamkeit nötig.  „Deshalb lasst uns aktiv und kompromisslos diejenigen widerlegen, die die Tatsache des Holocaust oder seine Einzigartigkeit leugnen wollen, oder die weiter Lügen oder widerwärtige Stereotypen über Juden und Judentum verbreiten. Wenn wir nach Gerechtigkeit für die Palästinenser suchen - wie wir es müssen -, lasst uns fest sein und jeden nicht anerkennen, der versucht, diesen Fall zu benutzen, um Hass gegen Juden zu entflammen - in Israel oder woanders.“

 Im Januar werde sich die Befreiung des ersten Vernichtungslagers durch sowjetische Trup­pen zum 60. Mal jähren, sagte der Generalsekretär.  „Es könnte keinen passenderen Zeit­punkt für Mitgliedsstaaten geben, Antisemitismus in allen seinen Formen zu bekämpfen - vergleichbar vielleicht mit den Resolutionen, die sie in der Vergangenheit gegen die Apartheid angenommen haben.  Sind nicht Juden zum selben Maß an Sorge und Schutz berechtigt?"

 In diesem Zusammenhang wies Annan auf die „Berliner Erklärung“ der OSZE-Staaten hin, die kürzlich verabschiedet wurde. Er erinnerte daran, dass  „jene 55 Staaten rückhaltlos alle Erscheinungsformen von Antisemitismus“ verurteilt hätten.  „Und sie erklärten auch unmiss­verständlich, dass internationale Entwicklungen oder politische Angelegenheiten, diejenigen in Israel oder woanders im Nahen Osten eingeschlossen, niemals Antisemitismus rechtferti­gen.“

 Annan betonte: „Der Kampf gegen Antisemitismus muss unser Kampf sein. Juden überall müssen spüren, dass die Vereinten Nationen ihre Heimat sind. Wir müssen diese Vision realisieren, solange wir noch Holocaust-Überlebende unter uns haben - so wie meinen lieben Freund Elie Wiesel, mit dem ich dieses Rednerpult teilen darf. Wir schulden ihnen zumindest das.“

Wiesel, der aus Siebenbürgen stammte, war 1944 mit 15 Jahren nach Auschwitz deportiert worden. (eh)

Aus:  Israelnetz vom 23. 6. 2004

Ç