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Aus dem Rundbrief vom 18. Juni 2001:

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Dichtung und Wahrheit der "El Aksa Intifada" - Hartmut Metzger

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Wenn ich ein Fischlein wär - Schalom Ben-Chorin

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„Übrigens... Die Evangelische Kirche und die Juden" Von Ernst L. Ehrlich, Basel

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Der Mörder ist immer der Jude -
Die Medienberichterstattung über die Unruhen in Nahost transportiert Ressentiments 
Von Jürgen Elsässer

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Süßes von Channa - Mandelplätzchen und Rosinen-Nuß-Kuchen

 

Dichtung und Wahrheit der „El Aksa Intifada“
Beobachtungen und Fragen zu einer Namensklitterung.  Von Hartmut Metzger

Der Name „El Aksa Intifada“ wird in die Geschichte eingehen. Er ist in wenigen Wochen um die ganze Welt gelaufen, und alle, die politisch auch nur ein bißchen interessiert sind, haben dabei erfahren, daß wegen des Besuchs von Ariel Scharon auf dem Tempelberg in Jerusalem der Aufstand der Palästinenser ausgebrochen sei.
Von „Besuch“ war in der Berichterstattung eigent­lich nicht die Rede. Die Medienberichte waren
zum Teil so martialisch aufgemacht, daß man den Eindruck bekam, Scharon hätte den Tempelberg besetzen wollen. Mit 1000 israelischen Polizisten! Die heiligen Stätten des Islam, El Aksa Moschee und Felsendom, waren in Gefahr!
Das Fernsehen zeigte Scharon in einer Menge von Polizisten, die ihn tief gestaffelt umgaben. Der Eindruck der Masse war so überwältigend, daß nur sehr kritische Zuschauer bemerkten, wie klein der Ausschnitt war, den die Kameras zeigten. Vielleicht sah man 50 Polizisten, oder auch zehn mehr, doch was spielte das bei dem Gewühle für eine Rolle. Die Gewalt der Zahl 1000 paßte da gut zum Bild, und es ging ja auch um ein gewaltiges, ein unerhörtes Ereignis!
Daß in manchen Presseberichten, vielleicht aus Versehen, aus tausend Polizisten dann noch tausende wurden, sollte wohl nur die orientalische Wucht der Zahl unterstreichen.

Ähnlich eskalierte die Berichterstattung über den Vorgang des Besuchs. Was heißt „Besuch“? Eine „Besetzung“ des Tempelbergs war das! Und auch da wurde manchmal noch drauf gesattelt, indem zur größeren Eindrücklichkeit scheinbar die El Aksa Moschee noch mitbesetzt wurde.
Nicht nur in der westlichen Welt gingen die Wel­len hoch; die Erregung in den islamischen Ländern war begreiflicherweise noch viel stärker.

Der Bekanntheitsgrad von Ariel Scharon wuchs mit negativen Verurteilungen von Tag zu Tag. Ausdrücke wie Bulldozer, Hardliner, Extremist hörten sich noch gemäßigt an. Man wurde ständig an Scharons Image als „Kriegstreiber“ erinnert, der für den Libanonfeldzug und das Massaker von Sabra und Shatilla verantwortlich gemacht wurde - vorsichtige Medien drückten sich taktisch klug aus, indem sie sich dabei auf die Meinung anderer über Scharon bezogen.
Es paßte alles zusammen; und darum verwunderte nicht, daß - in historischen Begriffen ausgedrückt - ein ‘spontaner Volkszorn’ sich in einem allgemei­nen Aufruhr Luft verschaffte: Die El Aksa Inti­fada war geboren und hatte gleich einen treffenden Namen bekommen. 

Ein Vierteljahr später, noch in der Zeit des israe­lischen Wahlkampfs, den Scharon als Opposi­tionsführer und Herausforderer Baraks führte, war es bereits ein Faktum: „Es ist schon eine merkwürdige Ironie, dass sich ausgerechnet jener Mann, der vor drei Monaten mit seinem Besuch auf dem Jerusalemer Tempelberg die blutigen Unruhen in den Palästinensergebieten ausgelöst hat“... (womöglich die Wahlen gewinnt): So lautet der erste Satz eines ZEIT-Artikels vom 4. Januar 2001 mit der bezeichnenden Überschrift „Mit Kreide im Rachen“.
Das war die erste Phase mit der eingängigen Begründung und Benennung der Intifada. 

Drei, vier Wochen später las ich zuerst in israeli­schen, dann mit der Zeit auch in manchen deut­schen Zeitungen, daß Scharon seinen Besuch beim Waqf, der höchsten moslemischen Verwaltungs­instanz des Tempelbergs, angekündigt hatte. Der Waqf hatte auch darauf geantwortet und Scharon ersucht, die El Aksa Moschee nicht zu betreten - was dieser auch nicht tat.

Wozu dann die Aufregung? Wie kam es bei dieser Sachlage zu einem ‘spontanen Volkszorn’? War er vielleicht gar nicht ‘spontan’; sondern gelenkt und geschürt?
Wir brauchen in der deutschen Geschichte nicht lange zu suchen, um auf das Beispiel eines „spon­tanen Volkszorns“ zu stoßen, der scheinbar das ganze Volk ergriffen hatte...
War der Besuch Scharons für die palästinensische Seite vielleicht ein höchst gelegener Vorwand, einen Aufstand zu inszenieren, der schon geplant war? Und was hat dann die Intifada mit der El Aksa Moschee zu tun? Ist die Weltöffentlichkeit einer Irreführung und Täuschung aufgesessen?
Unbegreiflich war auch eine andere Enthüllung: Warum hatte die israelische Regierung, die über alles informiert war, so lange geschwiegen? 

Warum hatte sie nicht gleich, als die Medien­schlacht um den Scharon-Besuch begann, darauf hingewiesen, daß alles rechtens verlaufen sei, und die El Aksa-Hysterie ein politisches Täuschungs­manöver darstelle? 
War es der interne Machtkampf in der Zeit vor den Wahlen, der sie abhielt, in aller Deutlichkeit aufzuklären und sich vor den innenpolitischen Gegner zu stellen?  Sah sie denn nicht, welch ungeheuren Schaden die Propaganda der „El Aksa Intifada“ Israel in der Weltöffentlichkeit zufügte?

Die Medien beschäftigten sich wenig mit diesen Fragen; warum auch. Viele von ihnen hätten selber Probleme gehabt und sich im Blick auf ihre voran­gegangene Berichterstattung korrigieren müssen. Aber wer schätzt es schon, Falschmeldungen, selbst wenn sie nicht absichtlich verbreitet wurden, zu berichtigen? - Und Berichtigungen werden ja ohnehin, das wissen alle Zeitungsleser, kaum zur Kenntnis genommen!

So wird es wohl bei dem beziehungsreichen Namen El Aksa Intifada bleiben, und die Welt wird zufrieden sein zu wissen, daß Scharon „mit seinem Besuch auf dem Jerusalemer Tempelberg die blutigen Unruhen in den Palästinensergebieten ausgelöst hat“.  

Das war die zweite Phase - mit der Entdeckung, daß die Begründung der Unruhen wohl ebenso vorgetäuscht war wie ihr Name der „El Aksa Intifada“ unzutreffend.

Die abschließende dritte Phase, die vollständige Aufklärung schaffte, ging an den meisten Medien spurlos vorüber. Es wurde kaum vermerkt - und schon gar nicht ‘aufgearbeitet’ -, daß die verschie­denen kritischen Fragen sich zuletzt gelöst hatten: Indem nämlich - fünf Monate später: Anfang März 2001 - der palästinensische Autonomieminister Imad Falouji bei einem Besuch im Flüchtlings­lager Ein Hilwe im Libanon vor ausländischen Medien bestätigte: Der palästinensische El-Aksa-Aufstand sei nicht aufgrund des Besuches von Ariel Scharon Ende September auf dem Tempel­berg ausgebrochen, sondern sei schon vorher geplant gewesen, nachdem die Verhandlungen in Camp David mit Israel gescheitert waren.
Die Palästinensische Autonomiebehörde war über Faloujis Äußerung ärgerlich und dementierte seine Behauptung, doch sie war schon heraus. Und wie es so ist: Andere ‘undichte Stellen’ kamen hinzu, und mittlerweile ist es manifest geworden, daß der ‘spontane Volkszorn’, der sich an der El Aksa Moschee entzündet haben soll, woanders seinen Brandherd hatte.

Abschließend noch eine weitere Beobachtung, die neue Fragen nach den Ursachen der Unruhen aufwirft.
In den ersten Monaten wurde der Volksaufstand mit Scharons ungeheuerlichem Kurzbesuch auf dem Tempelberg begründet. Keine Rede von den Siedlungen!   
Später, Barak war mittlerweile abgewählt, Scharon neuer Ministerpräsident, gab es einen völligen Umschwung: Nun wurden als Grund für die Intifada die Siedlungen genannt, die an allen Übeln schuld seien. (Diese Begründung beherrscht bis heute das Feld.)

Bei dem Image, das die Siedlungen und ihre Bewohner weithin in der Weltöffentlichkeit haben, war dieser Kurswechsel ein voller Erfolg. Nicht Haßausbrüche, Gewalt und Terror verhindern die Fortführung der Friedensgespräche, so die Bot­schaft der Intifada-Regie, sondern Frust und Wut über die jüdischen Siedlungen.
Wenn dazu noch - nach Terroranschlägen! - die Abriegelungsmaßnahmen des israelischen Militärs drastisch geschildert werden, vergessen euro­päische Leser ganz, daß in der ersten Phase der Intifada, als die Barak-Regierung noch unter allen Umständen ein Friedensabkommen erreichen wollte, die Frage der Siedlungen zur Zufriedenheit der Palästinenser gelöst werden sollte. 95 % des Landes wären zurückgegeben worden - wie viele Siedlungen wären da noch übrig geblieben? -, und für die restlichen 5 % war ein Landtausch an­geboten worden. 

Je länger man diese Entwicklungen beobachtet und kritisch hinterfragt, desto mehr wächst der Zweifel, ob die heutige palästinensische Führung unter Arafat überhaupt Frieden mit Israel will.
Die jetzige Intifada hatte ursprünglich mehrere Namen, ehe sich „El Aksa Intifada“ durchgesetzt hat. Einer davon war „Friedens-Intifada“. Daß dieser Name sich nicht halten konnte, versteht man wohl ohne Begründung. 

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Ein Gedicht von bedrängender Aktualität! 

Doch Schalom Ben-Chorin hat es im Jahr 1939 (!) geschrieben! 1935 war Schalom Ben-Chorin als 22jähriger in das britische Mandatsgebiet Palästina eingewandert. Ein Jahr später, 1936, brach der arabische Aufstand Ios; sein Ziel: völlige Einstellung der jüdischen Einwanderung, Verbot des Bodenverkaufs an Juden, Bildung einer arabischen Regierung.

Die blutigen Unruhen dauerten in unterschiedlicher Stärke bis 1939 an. Zur gleichen Zeit wurden die Verfolgungen der Juden im Deutschen Reich immer schlimmer. Im Herbst 1939 brach der 2. Weltkrieg aus.  In diesem Spannungsfeld entstand das Gedicht. HM

Schalom Ben-Chorin

Wenn ich ein Fischlein wär

„Geteiltes Leid - ist halbes Leid" -
Das trifft nicht immer zu,
Man teilt und feilt - doch ob das heilt...
Ich glaub's nicht - glaubst es du?

Bis jetzt hat man sich nur gekeilt
Allein das Land blieb heil:
Was eh zu klein, jetzt wirds geteilt
Und jeder hat sein Teil!

Ob das so salomonisch ist –
Ich glaub's nicht - glaubst es du?
Ich fürcht dass das mehr komisch ist
Und keinem bringt es Ruh.

Wenn zwei nicht satt zu kriegen sind
Mit einem Braten schon,
Ob die dann wohl zufrieden sind
Mit halber Portion?

Die Rechnung geht halt gar nicht auf
Wie man’s auch dreht und wend't.
So hemmt man nicht des Schicksals Lauf
Wenn’s ringsherum schon brennt.

Ich weiß schon wie zu teilen wär,
Zu löschen auch der Brand:
Die Juden kriegen halt das Meer
Die Araber das Land.

Das nennt man dann binational
Ist auch humanitär.
Nur eins daran ist recht fatal:
Was tut ein Jud im Meer?

Ach wenn ich nur ein Fischlein wär
Ein End hätt die Geschicht.
Ich schwämm vergnügt im blauen Meer...
Doch leider bin ich's nicht. (1939)

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Übrigens... Die Evangelische Kirche und die Juden" 
Von Ernst L. Ehrlich, Basel

An einer Tagung im November in Braunschweig beschäftigte sich die Synode der EKD auch mit ihrem Verhältnis zum Judentum. Sie knüpfte dabei an eine Erklärung aus dem Jahre 1950 in Berlin-Weissensee an, wo erstmals die Evang. Kirche ihr Schuldbekenntnis gegenüber den Juden ablegte.

Inzwischen sind 50 Jahre vergangen, und jede einzelne deutsche Landeskirche hat seitdem Erklärungen abgegeben. Nun fasst die Synode des Jahres 2000 zusammen, in welcher Weise die Neubestimmung ihres Verhältnisses zum jüdischen Volk sich entwickelt hat:

„Gott hat sein Volk Israel erwählt. Er hat sich für immer an Israel gebunden und bleibt ihm in der Kontinuität von biblischem Israel und jüdischem Volk treu... Wir bekennen uns zur Heiligen Schrift Israels. Das Christuszeugnis des Neuen Testaments ist Mittel und Quelle unseres christlichen Glaubens... Wir sind dankbar dafür, dass Jüdinnen und Juden uns durch ihre Auslegung zu einem vertieften Verständnis der Bibel verhelfen... Das Gespräch über den Glauben schließt die Achtung vor der Identität der Anderen ein. Die Bemühungen um ein geschwisterliches Verhältnis von Christen und Juden sind eine für Kirche und Theologie zentrale Herausforderung und bleibende Aufgabe." An dieser Erklärung hat am 15. November 2000 der Berliner Bischof Dr. Wolfgang Huber auf der Landessynode seiner Kirche angeknüpft. In seiner Rede heißt es unter anderem:

„Die wichtigste Einsicht unserer Zeit zu diesem Thema besteht nach meiner Überzeugung darin, dass wir die bleibende Erwählung Israels nicht mehr nur als ein Element im Selbstverständnis des jüdischen Volkes ansehen; wir bejahen diese Erwählung vielmehr als einen Teil unseres christlichen Bekenntnisses zu dem Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs... Zu diesem Bekenntnis gehört dann aber auch die Einsicht, dass diese bleibende Erwählung - dieser ungekündigte Bund Gottes mit seinem Volk - auch dem jüdischen Volk der Gegenwart in der Vielfalt seiner Gestalten gilt."

Bekanntlich ist im Verhältnis der Juden zu den Protestanten leider auch heute noch das Problem der „Judenmission" strittig. Dazu äußert sich Bischof Huber in einer Weise, wie wir es selten von solchen Autoritäten hören:

"Aber es bleibt nicht nur dabei, sondern muss erneut bekräftigt werden, dass es aus theologischen Gründen wie im Blick auf unsere Geschichte eine zielgerichtete Judenmission gar nicht geben kann. Judenmissionarische Initiativen, auch in Gestalt `messianischer Gemeinden' können sich auf unsere Kirche weder berufen noch stützen. Bis hin zur Vergabe von Räumen ist es mir wichtig, dass an dieser Stelle Klarheit besteht." (....)

Was die gegenwärtige Situation betrifft, so stellen sich nach Auffassung des Bischofs folgende Aufgaben:

„Die feierlich erklärte Absage an den Ungeist des Antisemitismus braucht ihre alltägliche Bekräftigung. Herabsetzendes Reden über Andere darf nicht in stillschweigender Kumpanei hingenommen werden. Gewaltbereitschaft muss dort bekämpft werden, wo sie sich bildet: dort, wo Kinder und Jugendliche aufwachsen, in Familien und Schulen, in der Freizeit und auf den Straßen. Wichtiger noch als stramme Urteile von Gerichten, nach denen auch in diesen Tagen wieder gerufen wird - wichtiger noch ist mir, dass endlich eine funktionierende Selbstkontrolle und ein energisches staatliches Eingreifen dem Überhandnehmen von Gewaltdarstellungen im Fernsehen, auf Videos und im Internet ein Ende bereiten.

Bei der Absage an den Ungeist des Antisemitismus dürfen wir aber auch nicht vergessen und nicht unterschlagen, dass eine über lange Zeit herrschende Auslegung des christlichen Glaubens zu diesem Ungeist beigetragen hat. Das hat die Synode der EKD in der vergangenen Woche auf eine bemerkenswerte Weise zur Sprache gebracht."

Es liegt in der Eigenart mancher Juden und Jüdinnen, dass sie eher das Negative zur Kenntnis nehmen ‑besonders, wenn es sich um Christen handelt. Dafür gibt es zweifellos historische Erfahrungen. Anderseits jedoch sollten eindeutig positive Stellungnahmen zur Kenntnis genommen werden, wenn die gesamte Evangelische Synode Deutschlands sowie zusätzlich auch Bischof Huber in der Berliner Landessynode sich klar gegen jede Form der Judenmission, des Antijudaismus und des Antisemitismus äußert - und dies nicht im stillen Kämmerlein, sondern vor hunderten von Menschen -, sollte man sich nicht nur mit einem Kinderräuber wie Plus IX. befassen, sondern auch zu erkennen versuchen, dass die Kirchen sich redlich bemühen, einen neuen Weg zu beschreiten...

Aus: JÜDISCHE RUNDSCHAU vom 7. Dezember 2000

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Ein heißes Eisen faßt Jürgen Elsässer in dem folgenden Artikel an, den ich, leicht gekürzt, aus der ALLGEMEINEN JÜDISCHEN WOCHENZEITUNG vom 23. November 2000 übernommen habe. 
Jürgen Elsässer ist Buchautor und Redakteur der Zeitschrift „Konkret". HM

Der Mörder ist immer der Jude
Die Medienberichterstattung über die Unruhen in Nahost transportiert Ressentiments 
Von Jürgen Elsässer

...Auf wessen Seite die deutschen Medien stehen, hatte sich bereits bei den Verhandlungen in Camp David angedeutet. Barak habe „seit Jahrzehnten unantastbare Grundsätze" aufgegeben, stellte der Pariser Figaro zu Recht fest - immerhin war der israelische Premier zur Rückgabe von 90 Prozent der besetzten Gebiete bereit, bot als Kompensation für die übrigen zehn Prozent nordisraelisches Kernland an und schloß erstmals eine palästinensische Souveränität über Teile Ost-Jerusalems nicht mehr aus.

Doch für Die Zeit hatte Barak den Palästinensern nur eine „Kapitulationsurkunde" offeriert. Das „desaströse Scheitern" von Camp David ging nach FAZ‑Lesart darauf zurück, daß „die Israelis offenbar ‑ wie danach in einem palästinensischen Papier bekannt wurde ‑ nicht akzeptable Sicherheitsvorkehrungen von den Palästinensern forderten."

Ein „Papier" unklarer Herkunft hat „die Israelis" überführt. Ist das der Frankfurter Standard bei der Berichterstattung über politische Schlüsselereignisse?

Den Vogel schoß schließlich Ludwig Watzal ab, Nahost-Augure unter anderem der Wochenzeitung Freitag, als er Camp David auf n-tv als „palästinensisches Versailles" bezeichnete. Versailles, das weiß man spätestens seit Walsers Volkshochschulkursen wieder, war ein „Schandfriede", den das „internationale (sprich: jüdische) Finanzkapital" oktroyiert und dadurch Hitler möglich gemacht hat.

Daß Israel selbst auf jene Deutschen nicht mehr bauen kann, die man bis dato zu den verläßlichen Freunden des jüdischen Staates rechnen durfte, zeigt das Beispiel von Josef Joffe. Auf der Titelseite der Zeit urteilte er unter der wagneresken Überschrift „Heilloses Land" .wie fast alle deutschen Journalisten recht hemdsärmlig „Über die Schuldfrage": „Die ist schnell beantwortet. Oppositionsführer Scharon hat mit seinem Tempelberg-Ausflug gezielt ein Streichholz geworfen."

Zwar werden im folgenden auch die Sünden Arafats und der Araber aufgezählt, doch nirgends stellt Joffe richtig, daß die vorgebliche „Provokation" des Likud-Chefs vorab von der palästinensischen Autonomiebehörde abgesegnet worden war.

Forderungen richtet Joffe nur an die Adresse von Barak: Israel müsse sich aus dem Westjordanland und Ostjerusalem zurückziehen „einseitig", wie Joffe ausdrücklich schreibt, das heißt ohne Sicherheitsgarantien oder Gegenleistungen der Palästinenser.

Woher nimmt Joffe die Gewißheit, daß diese Vorleistung „ein erkleckliches Minus an Reibungsflächen für Zündhölzer aller Art" bringt - und nicht, wie die Vorleistung im Südlibanon, den Appetit der Fanatiker weiter stimuliert?

Dabei mag man bei Joffe immer noch von gutem Willen ausgehen: So verweist er - im Unterschied zu den meisten anderen Analysten - wenigstens auf die „häßliche Begleitmusik, die Israelis über den offiziellen palästinensischen Rundfunk hören können", und zitiert aus einer dort ausgestrahlten Freitagspredigt aus Gasa: Die Palästinenser dürften mit „Juden und Christen keine Übereinkunft schließen", man werde „Haifa, Galiläa und Jaffa" nicht aufgeben.

Doch gut gemeint ist nicht unbedingt gut gemacht: Beim Lesen der Predigt-Passage in Joffes Artikel werden sich viele gedacht haben, Friedensfeindlichkeiten dieser Art seien zwar häßlich, aber man könne sie auch von extremistischen jüdischen Siedlern zu hören bekommen.

Eine solche Mißinterpretation von Joffes Text ist möglich, weil in seinem Artikel die entscheidenden Sätze jenes Freitagsgebets gerade nicht vorkommen:

„Habt kein Mitleid mit den Juden, egal, wo ihr seid, in welchem Land auch immer. Bekämpft sie, wo immer ihr sie trefft, tötet sie. Wo immer ihr seid, tötet Juden und Amerikaner..."

Das ist keine Entspannungsfeindlichkeit mehr, wie man sie auch in Israel finden kann, das ist ein Aufruf zu Pogromen und grenzen­losem Terror - verbreitet über den offiziellen palästinensischen Rundfunk.

Warum zitiert Joffe diese schlimmen Sätze nicht und kapriziert sich auf vergleichsweise Harmloses? Vermutlich, weil er sie gar nicht kannte. Das verweist auf ein strukturelles Problem: Die Berichterstattung der großen Agenturen und Fernsehanstalten aus dem Krisengebiet ist so lückenhaft und einseitig, daß auch relativ gutwilligen Kommentatoren wie Joffe wichtige Basisinformationen fehlen. Täglich flimmern die Bilder palästinensischer Demonstrationen über unsere Fernsehschirme - nie erfahren wir, was da auf den Trans­parenten steht und welche Slogans gerufen werden. Ausführlich referieren die Zeitungen, was Arafat auf dieser und jener internationa­len Konferenz in Englisch gesagt hat - seine arabischen Statements hingegen, die ganz anders tönen, bleiben unübersetzt.

Besonders gefährlich ist die tendenziöse Berichterstattung des US-Nachrichtensenders CNY: Der Sender stützt sich vorwiegend auf palästinensische Journalisten und Kamera­leute, die von den Tanzim-Milizen meist

rechtzeitig über zu erwartende Opfer infor­miert werden.

An palästinensischen Greueltaten hat CNN dagegen vergleichsweise geringes Interesse. Der Lynchmord von Ramallah etwa wurde von einem privaten italienischen Team gefilmt. Nach der Ausstrahlung bekam es so massive Morddrohungen, daß anschließend selbst das - eigentlich gar nicht beteiligte ‑italienische Staatsfernsehen RAI seine Reporter aus dem Krisengebiet zurückzog.

Nur zu oft werden Informationslücken durch bösartige Unterstellungen gestopft.

Wie anders ist zu erklären, daß in der Süd­deutschen Zeitung der gewiß furchtbare Tod des zwölfjährigen Palästinenserjungen Muhammed als „brutale Ermordung" dar­gestellt wurde? Wissen die Kollegen nicht, daß der Terminus „Mord" einen kaltblütigen Vorsatz voraussetzt? Wissen sie nicht, daß die Beschuldigung von Juden als „Kindermörder" früher Pogrome entfesselte?

Besonders beeindruckend die manipulative Leistung des Spiegel: Er druckte ein Luftbild des Schußwechsels an der Nezarim-Kreuzung nach, das er von der Website des israelischen Verteidigungsministeriums übernommen hatte (www.idf.il). Doch während man im Original noch sehen konnte, wie der Zahal-Posten von sechs Positionen aus angegriffen wurde und das Feuer auf drei davon erwiderte, blieb in der Spiegel-Skizze nur noch ein einziger Pfeil vom israelischen Posten auf Muhammed und seinen Vater übrig. Es sieht so aus, als ob die Soldaten ausschließlich auf diese beiden gefeuert hätten - und nicht auf die Scharfschützen daneben.

Bei soviel Voreingenommenheit nimmt es nicht wunder, daß die Zwischenergebnisse der ballistischen Untersuchung, wonach die tödliche Kugel möglicherweise eine palästi­nensische war, in den deutschen Blättern nicht mehr vorkommen - der Schuldige steht für sie schon fest...

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Bei unserer Israelreise im Mai 2001 besuchte Hanna, die Frau von unserem Guide  Gideon, unsere Gruppe.  Was sie uns als süßen Gruß mitbrachte, war so lecker, daß wir sie baten, uns doch das Rezept zu verraten.  Hier ist es!

Süßes von Channa - Mandelplätzchen und Rosinen-Nuß-Kuchen 

Channas Rosinen-Nuß-Kuchen

Man nehme:

200 g  Rosinen
200 g  Nüsse
5 Eßlöffel Zucker
5 Eßlöffel Mehl
Backpulver
2 ganze Eier

Alles zusammen verrühren und in einer länglichen Form, die mit Back-Papier ausgelegt ist, bei mittlerer Hitze backen. 

 

Channas Mandel-Plätzchen

Zutaten:

300 g Mandeln, Nüsse oder Erdnüsse (zerkleinert)
100 g Sum-Sum (Sesam)
1/2 Glas Zucker
Eiweiß von 3 Eiern

Alles gut mischen (verrühren), Teelöffel-Portionen auf ein mit Back-Papier belegtes Blech auftragen und bei mittlerer Hitze backen.

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