Dichtung
und Wahrheit der „El Aksa Intifada“
Beobachtungen und Fragen zu einer Namensklitterung.
Von Hartmut Metzger
Der Name „El Aksa Intifada“ wird in die Geschichte
eingehen. Er ist in wenigen Wochen um die ganze Welt gelaufen, und alle, die
politisch auch nur ein bißchen interessiert sind, haben dabei erfahren, daß
wegen des Besuchs von Ariel Scharon auf dem Tempelberg in Jerusalem der Aufstand
der Palästinenser ausgebrochen sei.
Von „Besuch“ war in der Berichterstattung eigentlich nicht die Rede. Die
Medienberichte waren
zum Teil so martialisch aufgemacht, daß man den Eindruck bekam, Scharon hätte
den Tempelberg besetzen wollen. Mit 1000 israelischen Polizisten! Die heiligen
Stätten des Islam, El Aksa Moschee und Felsendom, waren in Gefahr!
Das Fernsehen zeigte Scharon in einer Menge von Polizisten, die ihn tief
gestaffelt umgaben. Der Eindruck der Masse war so überwältigend, daß nur sehr
kritische Zuschauer bemerkten, wie klein der Ausschnitt war, den die Kameras
zeigten. Vielleicht sah man 50 Polizisten, oder auch zehn mehr, doch was spielte
das bei dem Gewühle für eine Rolle. Die Gewalt der Zahl 1000 paßte da gut zum
Bild, und es ging ja auch um ein gewaltiges, ein unerhörtes Ereignis!
Daß in manchen Presseberichten, vielleicht aus Versehen, aus tausend Polizisten
dann noch tausende wurden, sollte wohl nur die orientalische Wucht der Zahl
unterstreichen.
Ähnlich eskalierte die Berichterstattung über den
Vorgang des Besuchs. Was heißt „Besuch“? Eine „Besetzung“ des Tempelbergs war
das! Und auch da wurde manchmal noch drauf gesattelt, indem zur größeren
Eindrücklichkeit scheinbar die El Aksa Moschee noch mitbesetzt wurde.
Nicht nur in der westlichen Welt gingen die Wellen hoch; die Erregung in den
islamischen Ländern war begreiflicherweise noch viel stärker.
Der Bekanntheitsgrad von Ariel Scharon wuchs mit
negativen Verurteilungen von Tag zu Tag. Ausdrücke wie Bulldozer, Hardliner,
Extremist hörten sich noch gemäßigt an. Man wurde ständig an Scharons Image als
„Kriegstreiber“ erinnert, der für den Libanonfeldzug und das Massaker von Sabra
und Shatilla verantwortlich gemacht wurde - vorsichtige Medien drückten sich
taktisch klug aus, indem sie sich dabei auf die Meinung anderer über Scharon
bezogen.
Es paßte alles zusammen; und darum verwunderte nicht, daß - in historischen
Begriffen ausgedrückt - ein ‘spontaner Volkszorn’ sich in einem allgemeinen
Aufruhr Luft verschaffte: Die El Aksa Intifada war geboren und hatte gleich
einen treffenden Namen bekommen.
Ein Vierteljahr später, noch in der Zeit des
israelischen Wahlkampfs, den Scharon als Oppositionsführer und Herausforderer
Baraks führte, war es bereits ein Faktum: „Es ist schon eine merkwürdige Ironie,
dass sich ausgerechnet jener Mann, der vor drei Monaten mit seinem Besuch auf
dem Jerusalemer Tempelberg die blutigen Unruhen in den Palästinensergebieten
ausgelöst hat“... (womöglich die Wahlen gewinnt): So lautet der erste Satz eines
ZEIT-Artikels vom 4. Januar 2001 mit der bezeichnenden Überschrift „Mit Kreide
im Rachen“.
Das war die erste Phase mit der eingängigen Begründung und Benennung der
Intifada.
Drei, vier Wochen später las ich zuerst in
israelischen, dann mit der Zeit auch in manchen deutschen Zeitungen, daß
Scharon seinen Besuch beim Waqf, der höchsten moslemischen Verwaltungsinstanz
des Tempelbergs, angekündigt hatte. Der Waqf hatte auch darauf geantwortet und
Scharon ersucht, die El Aksa Moschee nicht zu betreten - was dieser auch nicht
tat.
Wozu dann die Aufregung? Wie kam es bei dieser
Sachlage zu einem ‘spontanen Volkszorn’? War er vielleicht gar nicht ‘spontan’;
sondern gelenkt und geschürt?
Wir brauchen in der deutschen Geschichte nicht lange zu suchen, um auf das
Beispiel eines „spontanen Volkszorns“ zu stoßen, der scheinbar das ganze Volk
ergriffen hatte...
War der Besuch Scharons für die palästinensische Seite vielleicht ein höchst
gelegener Vorwand, einen Aufstand zu inszenieren, der schon geplant war? Und was
hat dann die Intifada mit der El Aksa Moschee zu tun? Ist die Weltöffentlichkeit
einer Irreführung und Täuschung aufgesessen?
Unbegreiflich war auch eine andere Enthüllung: Warum hatte die israelische
Regierung, die über alles informiert war, so lange geschwiegen?
Warum hatte sie nicht gleich, als die
Medienschlacht um den Scharon-Besuch begann, darauf hingewiesen, daß alles
rechtens verlaufen sei, und die El Aksa-Hysterie ein politisches
Täuschungsmanöver darstelle?
War es der interne Machtkampf in der Zeit vor den Wahlen, der sie abhielt, in
aller Deutlichkeit aufzuklären und sich vor den innenpolitischen Gegner zu
stellen? Sah sie denn nicht, welch ungeheuren Schaden die Propaganda der „El
Aksa Intifada“ Israel in der Weltöffentlichkeit zufügte?
Die Medien beschäftigten sich wenig mit diesen
Fragen; warum auch. Viele von ihnen hätten selber Probleme gehabt und sich im
Blick auf ihre vorangegangene Berichterstattung korrigieren müssen. Aber wer
schätzt es schon, Falschmeldungen, selbst wenn sie nicht absichtlich verbreitet
wurden, zu berichtigen? - Und Berichtigungen werden ja ohnehin, das wissen alle
Zeitungsleser, kaum zur Kenntnis genommen!
So wird es wohl bei dem beziehungsreichen Namen El
Aksa Intifada bleiben, und die Welt wird zufrieden sein zu wissen, daß Scharon
„mit seinem Besuch auf dem Jerusalemer Tempelberg die blutigen Unruhen in den
Palästinensergebieten ausgelöst hat“.
Das war die zweite Phase - mit der Entdeckung, daß
die Begründung der Unruhen wohl ebenso vorgetäuscht war wie ihr Name der „El
Aksa Intifada“ unzutreffend.
Die abschließende dritte Phase, die vollständige
Aufklärung schaffte, ging an den meisten Medien spurlos vorüber. Es wurde kaum
vermerkt - und schon gar nicht ‘aufgearbeitet’ -, daß die verschiedenen
kritischen Fragen sich zuletzt gelöst hatten: Indem nämlich - fünf Monate
später: Anfang März 2001 - der palästinensische Autonomieminister Imad Falouji
bei einem Besuch im Flüchtlingslager Ein Hilwe im Libanon vor ausländischen
Medien bestätigte: Der palästinensische El-Aksa-Aufstand sei nicht aufgrund des
Besuches von Ariel Scharon Ende September auf dem Tempelberg ausgebrochen,
sondern sei schon vorher geplant gewesen, nachdem die Verhandlungen in Camp
David mit Israel gescheitert waren.
Die Palästinensische Autonomiebehörde war über Faloujis Äußerung ärgerlich und
dementierte seine Behauptung, doch sie war schon heraus. Und wie es so ist:
Andere ‘undichte Stellen’ kamen hinzu, und mittlerweile ist es manifest
geworden, daß der ‘spontane Volkszorn’, der sich an der El Aksa Moschee
entzündet haben soll, woanders seinen Brandherd hatte.
Abschließend noch eine weitere Beobachtung, die neue
Fragen nach den Ursachen der Unruhen aufwirft.
In den ersten Monaten wurde der Volksaufstand mit Scharons ungeheuerlichem
Kurzbesuch auf dem Tempelberg begründet. Keine Rede von den Siedlungen!
Später, Barak war mittlerweile abgewählt, Scharon neuer Ministerpräsident, gab
es einen völligen Umschwung: Nun wurden als Grund für die Intifada die
Siedlungen genannt, die an allen Übeln schuld seien. (Diese Begründung
beherrscht bis heute das Feld.)
Bei dem Image, das die Siedlungen und ihre Bewohner
weithin in der Weltöffentlichkeit haben, war dieser Kurswechsel ein voller
Erfolg. Nicht Haßausbrüche, Gewalt und Terror verhindern die Fortführung der
Friedensgespräche, so die Botschaft der Intifada-Regie, sondern Frust und Wut
über die jüdischen Siedlungen.
Wenn dazu noch - nach Terroranschlägen! - die Abriegelungsmaßnahmen des
israelischen Militärs drastisch geschildert werden, vergessen europäische Leser
ganz, daß in der ersten Phase der Intifada, als die Barak-Regierung noch unter
allen Umständen ein Friedensabkommen erreichen wollte, die Frage der Siedlungen
zur Zufriedenheit der Palästinenser gelöst werden sollte. 95 % des Landes wären
zurückgegeben worden - wie viele Siedlungen wären da noch übrig geblieben? -,
und für die restlichen 5 % war ein Landtausch angeboten worden.
Je länger man diese Entwicklungen beobachtet und
kritisch hinterfragt, desto mehr wächst der Zweifel, ob die heutige
palästinensische Führung unter Arafat überhaupt Frieden mit Israel will.
Die jetzige Intifada hatte ursprünglich mehrere Namen, ehe sich „El Aksa
Intifada“ durchgesetzt hat. Einer davon war „Friedens-Intifada“. Daß dieser Name
sich nicht halten konnte, versteht man wohl ohne Begründung.
Zum Seitenanfang
Ein
Gedicht von bedrängender Aktualität!
Doch Schalom Ben-Chorin hat
es im Jahr 1939 (!) geschrieben! 1935 war Schalom Ben-Chorin als 22jähriger in
das britische Mandatsgebiet Palästina eingewandert. Ein Jahr später, 1936, brach
der arabische Aufstand Ios; sein Ziel: völlige Einstellung der jüdischen
Einwanderung, Verbot des Bodenverkaufs an Juden, Bildung einer arabischen
Regierung.
Die blutigen Unruhen
dauerten in unterschiedlicher Stärke bis 1939 an. Zur gleichen Zeit wurden die
Verfolgungen der Juden im Deutschen Reich immer schlimmer. Im Herbst 1939 brach
der 2. Weltkrieg aus. In diesem Spannungsfeld entstand das Gedicht. HM
Schalom Ben-Chorin
Wenn ich ein Fischlein wär
„Geteiltes Leid - ist halbes Leid" -
Das trifft nicht immer zu,
Man teilt und feilt - doch ob das heilt...
Ich glaub's nicht - glaubst es du?
Bis jetzt hat man sich nur gekeilt
Allein das Land blieb heil:
Was eh zu klein, jetzt wirds geteilt
Und jeder hat sein Teil!
Ob das so salomonisch ist –
Ich glaub's nicht - glaubst es du?
Ich fürcht dass das mehr komisch ist
Und keinem bringt es Ruh.
Wenn zwei nicht satt zu kriegen sind
Mit einem Braten schon,
Ob die dann wohl zufrieden sind
Mit halber Portion?
Die Rechnung geht halt gar nicht auf
Wie man’s auch dreht und wend't.
So hemmt man nicht des Schicksals Lauf
Wenn’s ringsherum schon brennt.
Ich weiß schon wie zu teilen wär,
Zu löschen auch der Brand:
Die Juden kriegen halt das Meer
Die Araber das Land.
Das nennt man dann binational
Ist auch humanitär.
Nur eins daran ist recht fatal:
Was tut ein Jud im Meer?
Ach wenn ich nur ein Fischlein wär
Ein End hätt die Geschicht.
Ich schwämm vergnügt im blauen Meer...
Doch leider bin ich's nicht. (1939)
Zum
Seitenanfang
„Übrigens...
Die Evangelische Kirche und die Juden"
Von Ernst L. Ehrlich, Basel
An einer Tagung im November in Braunschweig beschäftigte sich die Synode der EKD
auch mit ihrem Verhältnis zum Judentum. Sie knüpfte dabei an eine Erklärung aus
dem Jahre 1950 in Berlin-Weissensee an, wo erstmals die Evang. Kirche ihr
Schuldbekenntnis gegenüber den Juden ablegte.
Inzwischen sind 50 Jahre vergangen, und jede einzelne deutsche Landeskirche hat
seitdem Erklärungen abgegeben. Nun fasst die Synode des Jahres 2000 zusammen, in
welcher Weise die Neubestimmung ihres Verhältnisses zum jüdischen Volk sich
entwickelt hat:
„Gott hat sein Volk Israel erwählt. Er hat sich für immer an Israel gebunden und
bleibt ihm in der Kontinuität von biblischem Israel und jüdischem Volk treu...
Wir bekennen uns zur Heiligen Schrift Israels. Das Christuszeugnis des Neuen
Testaments ist Mittel und Quelle unseres christlichen Glaubens... Wir sind
dankbar dafür, dass Jüdinnen und Juden uns durch ihre Auslegung zu einem
vertieften Verständnis der Bibel verhelfen... Das Gespräch über den Glauben
schließt die Achtung vor der Identität der Anderen ein. Die Bemühungen um ein
geschwisterliches Verhältnis von Christen und Juden sind eine für Kirche und
Theologie zentrale Herausforderung und bleibende Aufgabe." An dieser Erklärung
hat am 15. November 2000 der Berliner Bischof Dr. Wolfgang Huber auf der
Landessynode seiner Kirche angeknüpft. In seiner Rede heißt es unter anderem:
„Die wichtigste Einsicht unserer Zeit zu diesem Thema besteht nach meiner
Überzeugung darin, dass wir die bleibende Erwählung Israels nicht mehr nur als
ein Element im Selbstverständnis des jüdischen Volkes ansehen; wir bejahen diese
Erwählung vielmehr als einen Teil unseres christlichen Bekenntnisses zu dem Gott
Abrahams, Isaaks und Jakobs... Zu diesem Bekenntnis gehört dann aber auch die
Einsicht, dass diese bleibende Erwählung - dieser ungekündigte Bund Gottes mit
seinem Volk - auch dem jüdischen Volk der Gegenwart in der Vielfalt seiner
Gestalten gilt."
Bekanntlich ist im Verhältnis der Juden zu den Protestanten leider auch heute
noch das Problem der „Judenmission" strittig. Dazu äußert sich Bischof Huber in
einer Weise, wie wir es selten von solchen Autoritäten hören:
"Aber es bleibt nicht nur dabei, sondern muss erneut bekräftigt werden, dass es
aus theologischen Gründen wie im Blick auf unsere Geschichte eine zielgerichtete
Judenmission gar nicht geben kann. Judenmissionarische Initiativen, auch in
Gestalt `messianischer Gemeinden' können sich auf unsere Kirche weder berufen
noch stützen. Bis hin zur Vergabe von Räumen ist es mir wichtig, dass an dieser
Stelle Klarheit besteht." (....)
Was die gegenwärtige Situation betrifft, so stellen sich nach Auffassung des
Bischofs folgende Aufgaben:
„Die feierlich erklärte Absage an den Ungeist des Antisemitismus braucht ihre
alltägliche Bekräftigung. Herabsetzendes Reden über Andere darf nicht in
stillschweigender Kumpanei hingenommen werden. Gewaltbereitschaft muss dort
bekämpft werden, wo sie sich bildet: dort, wo Kinder und Jugendliche aufwachsen,
in Familien und Schulen, in der Freizeit und auf den Straßen. Wichtiger noch als
stramme Urteile von Gerichten, nach denen auch in diesen Tagen wieder gerufen
wird - wichtiger noch ist mir, dass endlich eine funktionierende Selbstkontrolle
und ein energisches staatliches Eingreifen dem Überhandnehmen von
Gewaltdarstellungen im Fernsehen, auf Videos und im Internet ein Ende bereiten.
Bei der Absage an den Ungeist des Antisemitismus dürfen wir aber auch nicht
vergessen und nicht unterschlagen, dass eine über lange Zeit herrschende
Auslegung des christlichen Glaubens zu diesem Ungeist beigetragen hat. Das hat
die Synode der EKD in der vergangenen Woche auf eine bemerkenswerte Weise zur
Sprache gebracht."
Es liegt in der Eigenart mancher Juden und Jüdinnen, dass sie eher das Negative
zur Kenntnis nehmen ‑besonders, wenn es sich um Christen handelt. Dafür gibt es
zweifellos historische Erfahrungen. Anderseits jedoch sollten eindeutig positive
Stellungnahmen zur Kenntnis genommen werden, wenn die gesamte Evangelische
Synode Deutschlands sowie zusätzlich auch Bischof Huber in der Berliner
Landessynode sich klar gegen jede Form der Judenmission, des Antijudaismus und
des Antisemitismus äußert - und dies nicht im stillen Kämmerlein, sondern vor
hunderten von Menschen -, sollte man sich nicht nur mit einem Kinderräuber wie
Plus IX. befassen, sondern auch zu erkennen versuchen, dass die Kirchen sich
redlich bemühen, einen neuen Weg zu beschreiten...
Aus: JÜDISCHE RUNDSCHAU vom 7. Dezember 2000
Zum Seitenanfang
Ein heißes
Eisen faßt Jürgen Elsässer in dem folgenden Artikel an, den ich, leicht
gekürzt, aus der ALLGEMEINEN JÜDISCHEN WOCHENZEITUNG vom 23. November 2000
übernommen habe.
Jürgen Elsässer ist Buchautor und Redakteur der Zeitschrift „Konkret". HM
Der Mörder ist immer der
Jude
Die Medienberichterstattung über die Unruhen in Nahost transportiert
Ressentiments
Von Jürgen Elsässer
...Auf wessen Seite die deutschen Medien stehen, hatte sich bereits bei den
Verhandlungen in Camp David angedeutet. Barak habe „seit Jahrzehnten
unantastbare Grundsätze" aufgegeben, stellte der Pariser Figaro zu Recht fest -
immerhin war der israelische Premier zur Rückgabe von 90 Prozent der besetzten
Gebiete bereit, bot als Kompensation für die übrigen zehn Prozent
nordisraelisches Kernland an und schloß erstmals eine palästinensische
Souveränität über Teile Ost-Jerusalems nicht mehr aus.
Doch für Die Zeit hatte Barak den Palästinensern nur eine „Kapitulationsurkunde"
offeriert. Das „desaströse Scheitern" von Camp David ging nach FAZ‑Lesart darauf
zurück, daß „die Israelis offenbar ‑ wie danach in einem palästinensischen
Papier bekannt wurde ‑ nicht akzeptable Sicherheitsvorkehrungen von den
Palästinensern forderten."
Ein „Papier" unklarer Herkunft hat „die Israelis" überführt. Ist das der
Frankfurter Standard bei der Berichterstattung über politische
Schlüsselereignisse?
Den Vogel schoß schließlich Ludwig Watzal ab, Nahost-Augure unter anderem der
Wochenzeitung Freitag, als er Camp David auf n-tv als „palästinensisches
Versailles" bezeichnete. Versailles, das weiß man spätestens seit Walsers
Volkshochschulkursen wieder, war ein „Schandfriede", den das „internationale
(sprich: jüdische) Finanzkapital" oktroyiert und dadurch Hitler möglich gemacht
hat.
Daß Israel selbst auf jene Deutschen nicht mehr bauen kann, die man bis dato zu
den verläßlichen Freunden des jüdischen Staates rechnen durfte, zeigt das
Beispiel von Josef Joffe. Auf der Titelseite der Zeit urteilte er unter der
wagneresken Überschrift „Heilloses Land" .wie fast alle deutschen Journalisten
recht hemdsärmlig „Über die Schuldfrage": „Die ist schnell beantwortet.
Oppositionsführer Scharon hat mit seinem Tempelberg-Ausflug gezielt ein
Streichholz geworfen."
Zwar werden im folgenden auch die Sünden Arafats und der Araber aufgezählt, doch
nirgends stellt Joffe richtig, daß die vorgebliche „Provokation" des Likud-Chefs
vorab von der palästinensischen Autonomiebehörde abgesegnet worden war.
Forderungen richtet Joffe nur an die Adresse von Barak: Israel müsse sich aus
dem Westjordanland und Ostjerusalem zurückziehen „einseitig", wie Joffe
ausdrücklich schreibt, das heißt ohne Sicherheitsgarantien oder Gegenleistungen
der Palästinenser.
Woher nimmt Joffe die Gewißheit, daß diese Vorleistung „ein erkleckliches Minus
an Reibungsflächen für Zündhölzer aller Art" bringt - und nicht, wie die
Vorleistung im Südlibanon, den Appetit der Fanatiker weiter stimuliert?
Dabei mag man bei Joffe immer noch von gutem Willen ausgehen: So verweist er -
im Unterschied zu den meisten anderen Analysten - wenigstens auf die „häßliche
Begleitmusik, die Israelis über den offiziellen palästinensischen Rundfunk hören
können", und zitiert aus einer dort ausgestrahlten Freitagspredigt aus Gasa: Die
Palästinenser dürften mit „Juden und Christen keine Übereinkunft schließen", man
werde „Haifa, Galiläa und Jaffa" nicht aufgeben.
Doch gut gemeint ist nicht unbedingt gut gemacht: Beim Lesen der Predigt-Passage
in Joffes Artikel werden sich viele gedacht haben, Friedensfeindlichkeiten
dieser Art seien zwar häßlich, aber man könne sie auch von extremistischen
jüdischen Siedlern zu hören bekommen.
Eine solche Mißinterpretation von Joffes Text ist möglich, weil in seinem
Artikel die entscheidenden Sätze jenes Freitagsgebets gerade nicht vorkommen:
„Habt kein Mitleid mit den Juden, egal, wo ihr seid, in welchem Land auch immer.
Bekämpft sie, wo immer ihr sie trefft, tötet sie. Wo immer ihr seid, tötet Juden
und Amerikaner..."
Das ist keine Entspannungsfeindlichkeit mehr, wie man sie auch in Israel finden
kann, das ist ein Aufruf zu Pogromen und grenzenlosem Terror - verbreitet über
den offiziellen palästinensischen Rundfunk.
Warum zitiert Joffe diese schlimmen Sätze nicht und kapriziert sich auf
vergleichsweise Harmloses? Vermutlich, weil er sie gar nicht kannte. Das
verweist auf ein strukturelles Problem: Die Berichterstattung der großen
Agenturen und Fernsehanstalten aus dem Krisengebiet ist so lückenhaft und
einseitig, daß auch relativ gutwilligen Kommentatoren wie Joffe wichtige
Basisinformationen fehlen. Täglich flimmern die Bilder palästinensischer
Demonstrationen über unsere Fernsehschirme - nie erfahren wir, was da auf den
Transparenten steht und welche Slogans gerufen werden. Ausführlich referieren
die Zeitungen, was Arafat auf dieser und jener internationalen Konferenz in
Englisch gesagt hat - seine arabischen Statements hingegen, die ganz anders
tönen, bleiben unübersetzt.
Besonders gefährlich ist die tendenziöse Berichterstattung des
US-Nachrichtensenders CNY: Der Sender stützt sich vorwiegend auf
palästinensische Journalisten und Kameraleute, die von den Tanzim-Milizen meist
rechtzeitig über zu erwartende Opfer informiert werden.
An palästinensischen Greueltaten hat CNN dagegen vergleichsweise geringes
Interesse. Der Lynchmord von Ramallah etwa wurde von einem privaten
italienischen Team gefilmt. Nach der Ausstrahlung bekam es so massive
Morddrohungen, daß anschließend selbst das - eigentlich gar nicht beteiligte
‑italienische Staatsfernsehen RAI seine Reporter aus dem Krisengebiet zurückzog.
Nur zu oft werden Informationslücken durch bösartige Unterstellungen gestopft.
Wie anders ist zu erklären, daß in der Süddeutschen Zeitung der gewiß
furchtbare Tod des zwölfjährigen Palästinenserjungen Muhammed als „brutale
Ermordung" dargestellt wurde? Wissen die Kollegen nicht, daß der Terminus
„Mord" einen kaltblütigen Vorsatz voraussetzt? Wissen sie nicht, daß die
Beschuldigung von Juden als „Kindermörder" früher Pogrome entfesselte?
Besonders beeindruckend die manipulative Leistung des Spiegel: Er druckte ein
Luftbild des Schußwechsels an der Nezarim-Kreuzung nach, das er von der Website
des israelischen Verteidigungsministeriums übernommen hatte (www.idf.il). Doch
während man im Original noch sehen konnte, wie der Zahal-Posten von sechs
Positionen aus angegriffen wurde und das Feuer auf drei davon erwiderte, blieb
in der Spiegel-Skizze nur noch ein einziger Pfeil vom israelischen Posten auf
Muhammed und seinen Vater übrig. Es sieht so aus, als ob die Soldaten
ausschließlich auf diese beiden gefeuert hätten - und nicht auf die
Scharfschützen daneben.
Bei soviel Voreingenommenheit nimmt es nicht wunder, daß die Zwischenergebnisse
der ballistischen Untersuchung, wonach die tödliche Kugel möglicherweise eine
palästinensische war, in den deutschen Blättern nicht mehr vorkommen - der
Schuldige steht für sie schon fest...
Zum
Seitenanfang
Bei unserer
Israelreise im Mai 2001 besuchte Hanna, die Frau von
unserem Guide Gideon, unsere Gruppe. Was sie uns als süßen Gruß mitbrachte,
war so lecker, daß wir sie baten, uns doch das Rezept zu verraten. Hier ist es!
Süßes von Channa - Mandelplätzchen und Rosinen-Nuß-Kuchen
|
Channas Rosinen-Nuß-Kuchen |
Man
nehme:
200 g Rosinen
200 g Nüsse
5 Eßlöffel Zucker
5 Eßlöffel Mehl
Backpulver
2 ganze Eier
Alles zusammen
verrühren und in einer länglichen Form, die mit Back-Papier ausgelegt ist, bei
mittlerer Hitze backen.
Zutaten:
300 g Mandeln, Nüsse oder Erdnüsse (zerkleinert)
100 g Sum-Sum (Sesam)
1/2 Glas Zucker
Eiweiß von 3 Eiern
Alles gut mischen (verrühren), Teelöffel-Portionen auf ein mit Back-Papier
belegtes Blech auftragen und bei mittlerer Hitze backen.
Zum Seitenanfang