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Ende November 2006, der Libanon-Krieg im Sommer ging mit einem Waffenstillstand zu Ende, rückten die Raketenangriffe aus dem Gaza-Streifen wieder ins Blickfeld. In Sderot, der geschundenen Stadt (s. S. 52 ff.), hat sich nichts verändert; die Weltpresse nimmt weiterhin kaum Kenntnis von den Raketenüberfällen, die nun schon sechs Jahre andauern - es sei denn, Israel reagiert wieder einmal „unverhältnismäßig", oder es passiert ein Unglück, von Israel unabsichtlich verursacht, und in Gaza werden bei Gegenschlägen Zivilisten getroffen.

Die ISRAEL NACHRICHTEN übernahmen einen Artikel aus dem Ha’aretz, in dem Joel Marcus „traurig-witzig und treffend Israels Lage" kommentiert. Hartmut Metzger

 

„Sowohl angegriffen wie verurteilt"

Seit Jahren beharken Raketen aus dem Gaza-Streifen Israels Zivilbevölkerung

Kommentar von Joel Marcus

Seit mehreren Jahren gibt es zwei Themen, die den Beginn der Morgennachrichten einleiten: der Wetterbericht und das Abfeuern von Kassam-Raketen auf Sderot.

Am 16. April 2001 wurde die erste Kassam-Rakete abgeschossen. Experten untersuchten erstaunt die Überbleibsel dieser ersten Rakete und sagten dann, sie sei ein primitives Geschoss, das in einer primitiven Metallfabrik produziert worden war. Handgemacht. Nichts Ernstes.

Zwei Monate später tötete solch ein primitives Geschoss zwei Einwohner von Sderot, darunter ein Kind.

Und seit mehr als fünf Jahren hat sich dieses primitive Geschoss immer mehr verbessert, sowohl hinsichtlich der Stärke wie der Reichweite. Es nähert sich strategischen Stellen in den Außenbezirken von Aschkalon.

Mit Luft- und Bodenangriffen hat Israel Dutzende, wenn nicht Hunderte der primitiven Metallfabriken zerstört. Doch die Raketen vermehren sich weiterhin und fahren fort, israelische Orte anzugreifen.

Sie haben die Einwohner Sderots in Spielmarken für ein Todesroulette verwandelt. Die Anzahl der Toten wird nicht in Tausenden oder Hunderten gerechnet, doch die Einwohner der Stadt stehen jeden Tag Todesängste aus.

Die 20-Sekunden-Warnung erscheint wie ein Witz; die Einwohner rennen im Wettlauf mit dem Sekundenzeiger durch die Straßen. Einer schafft es, einen Schutzraum zu finden, ein anderer wird getroffen und muss ein Bein amputiert bekommen.

Der Sturm auf die Busse, die der Millionär Arkadi Gajdamak den Einwohnern Sderots zur Verfügung gestellt hat, damit sie einige Urlaubstage fern der Angst in Eilat verbringen können, beweist, was 17 Kassam-Raketen an einem Tag - eine getötete Frau und zwei Schwerverletzte - einer Stadt antun können, die nicht mehr weiß, wie sie die Verzweiflung bekämpfen soll. Die Einwohner geben zu, dass sie die Stadt am liebsten für immer verlassen würden, wenn sie die finanziellen Mittel dazu hätten.

Nach der Bombardierung von Beit Hanun durch die israelische Verteidigungsarmee, bei der versehentlich 19 Palästinenser getötet wurden, sieht eine große Mehrheit der Vereinten Nationen Israel als grausamen Aggressor. Israels Entschuldigung wurde nicht akzeptiert. Vielleicht zweifelt man sie an.

Doch haben Sie jemals gehört, dass sich die Hamas für das Töten von Frauen und Kindern entschuldigt hat? Haben die Palästinenser jemals um Vergebung gebeten, weil sie auf Sderot gefeuert haben?

Seit mehr als sechs Jahren beschießen sie nun einen zivilen Ort. Doch es ist Israel, das als Aggressor dargestellt wird.

Israel ist das einzige Land der Welt, in dem es eine Stadt gibt, die jeden Tag das Ziel von Raketen ist. Man fragt sich, wie Frankreich reagieren würde, wenn Dijon oder Rouen ständig unter Beschuss stünden.

Kein Land würde einer Situation, in der eine seiner Städte in permanenter Schussweite liegt, in der das Überqueren der Straße oder der Gang zum Lebensmittelgeschäft zum Todesroulette wird, tatenlos zusehen.

Der Leiter des Schin-Bet-Geheimdienstes berichtete vor den Knesset-Komitees für ausländische Beziehungen und Verteidigung, dass mehr als 33 Tonnen Sprengstoff und Hunderte von Raketen aller Art in den Händen der Hamas sind. Das Ziel ist, die Achillesferse Israels zu treffen, und dies ist die Heimatfront.

Israel hat sich einseitig aus dem Gazastreifen zurückgezogen und somit signalisiert, dass es nicht nur bereit ist, jüdische Siedlungen aufzugeben, sondern dass es im Zusammenhang mit einem Friedensabkommen auch Territorium an die Palästinenser zurückgeben will.

Bedauerlicherweise wird nun klar, dass es die extremsten und pessimistischsten jüdischen Siedler sind, die Recht hatten.

Die Palästinenser wollen Israel nicht anerkennen und seine Existenz nicht akzeptieren. Und auch dieses Mal, unter dem Kommandostab der Hamas, verpassen sie keine einzige Chance, eine Chance zu verpassen.

Anstatt das Gebiet, das Israel evakuiert hat, aufzubauen und zu entwickeln, wie es die Ägypter mit der Halbinsel Sinai taten, haben sie Gusch Katif in eine Militärbasis verwandelt, aus der täglich auf die Einwohner des Negev gefeuert wird. Dieser Beschuss zielt auf Zivilisten, Frauen und Kinder. Die Warnungen des früheren Premierministers Ariel Scharon und des Generalstabschefs Dan Halutz, dass Israel auf Kassam-Beschuss nach der Evakuierung des Gazastreifens sehr hart reagieren würde, haben die Palästinenser nicht sonderlich beeindruckt.

Wir marschierten in Beit Hanoun ein, wir schossen aus der Luft. Doch das alles half nichts. Der zweite Krieg im Libanon beschädigte das Ansehen der israelischen Verteidigungsarmee, weil er die Schwäche der Heimatfront aufdeckte.

Alle Versuche Israels, dem Kassam-Beschuss ein Ende zu setzen, erwiesen sich selbst unter ägyptischer und europäischer Vermittlung als fruchtlos. Israel wird sowohl angegriffen wie verurteilt.

Und Diplomaten und Journalisten finden sich darin wieder, ständig das gleiche Mantra zu wiederholen: So kann es nicht weitergehen.

Wenn die Hamas weiterhin alle Diskussionen torpediert, indem sie Israel nicht anerkennt und Terror gegen israelische Bürger ausübt, wird es für Israel wohl keine andere Wahl geben als nach dem Motto „Wie du mir, so ich dir" zu handeln.

Diese Drohung ist banal und wiederholt sich selbst. Doch was können wir tun, solange auf beiden Seiten niemand aufsteht, der uns hilft, die Schlagzeilen mit Friedensgesprächen zu füllen?

Aus: ISRAEL NACHRICHTEN vom 24. November 2006

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