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Vor Jahrzehnten gab es eine Dia-Serie, die das häusliche Fest des Sederabends in einer religiösen Familie zeigte und mit einem guten Text kommentierte. Auf einer Tonbandübertragung konnte man die musikalische Seite des Seders erleben, die Gebete und Lieder und die Fragen der Kinder. Die Dias haben mit den Jahren ihre natürlichen Farben verloren; ein Tonbandgerät gibt es heutzutage nicht mehr; und aus den Kindern von damals sind mittlerweile Eltern und Großeltern geworden. Aber der Text, der das Fest beschrieb, ist geblieben und gibt auch ohne Dias eine anschauliche Beschreibung dessen, was sich am Sederabend in einer religiösen Familie abspielt. Deshalb bringe ich diesen Text heute für alle, die einmal Genaueres über diesen Auftakt der Passahzeit erfahren wollen. Wer eine „Haggada" besitzt, die die „Liturgie" des Abends enthält, kann den Verlauf der festlichen Stunden noch genauer verfolgen. Zuletzt noch zwei Bemerkungen: Der Beginn des Passahfestes am 14. Nisan fällt dieses Jahr auf den 2. April 2007, den Montag in der Woche vor Ostern. Aus der Familie von damals sind inzwischen mehrere Familien geworden, aber zum Sederabend kommen möglichst alle vier Generationen zusammen - Großeltern, Eltern, Kinder und Enkel - und feiern gemeinsam. - „Chag Pessach sameach" nach Kirjath Schmuel! Hartmut Metzger „Der Sederabend - Beginn des Passahfestes" Anschaulicher Bericht mit Texten aus der Haggada Am Abend des 14. Nisan, des Frühlingsmonats, beginnt das achttägige Passah-Fest mit dem Seder-Abend. An diesem Abend wird in jeder jüdischen Familie nach festgelegter Ordnung ein Gottesdienst gefeiert, der mit einem festlichen Mahle endet. Das Wort Seder bedeutet diese „Ordnung". Zu Beginn erhebt der Vater den Kelch und spricht dazu das Segenswort wie am Sabbatabend. In der Mitte des festlich gedeckten Tisches steht eine runde Platte, die Seder-Platte. Auf den Seder-Tisch gehören außerdem die Mazzot (Einzahl: Mazza), runde oder eckige Flachbrote. Während der ganzen Passah-Woche darf in einem jüdischen Haus kein anderes Brot gegessen werden. Auch Wein oder Traubensaft gehören zu diesem Fest. Im Vordergrund der Tafel ist ein Ehrengedeck hergerichtet für den Propheten Elia. Denn der Prophet Elia gilt als Vorbote des kommenden Messias. Wenn man am Passah-Fest die Errettung Israels vor der Vernichtung feiert, so blickt man nicht nur rückwärts in die Vergangenheit, sondern auch vorwärts in die Zukunft, in der Gottes Herrschaft sich allen Menschen erweisen wird: Gepriesen seist du, Herr unser Gott, Auf der Seder-Schüssel sind alle Speisen angerichtet, die im Laufe der Feier erwähnt werden und von denen etwas verzehrt werden muss. Man nimmt dazu:
Alles, was sich auf der Seder-Schüssel befindet, und jede symbolische Handlung, die an diesem Abend vorgenommen wird, hat den Zweck, die Kinder und alle Teilnehmer zu Rückfragen nach ihrer Bedeutung zu veranlassen. Vielfältig sind die Bedeutungen. Das Bitterkraut kann z. B. erinnern an die bittere Zeit der Erniedrigung; das braune Mus an die Lehmziegel, die in der Fronarbeit hergestellt werden mussten; das Salzwasser an die Tränen der Mütter. Doch auch andere Antworten können auf diese Fragen gegeben werden. Schon der Bericht der Tora über die Nacht des ersten Passahs enthält die Aufforderung, in Frage und Antwort die Ereignisse des Auszuges an die folgenden Generationen weiterzugeben: „Wenn dich dein Sohn künftig einmal fragen wird: Was bedeutet dies? - Dann sollst du ihm antworten: Wir waren Sklaven des Pharao in Ägypten. Da führte uns der Herr mit starker Hand heraus aus Ägypten …" Nach dem Eingangsgebet trinkt man den ersten Becher Wein. Dabei lehnt man sich ein wenig auf die linke Seite. Denn das Seder-Abendmahl soll erinnern „an die Art und Weise, in der vor mehr als 2000 Jahren freie Menschen ein Festmahl hielten." Man liegt zwar nicht mehr „nach der Weise der Alten am Tisch", sondern stützt sich nur noch „symbolisch auf den linken Arm". Vier Becher Wein — nicht mehr und nicht weniger — werden im Verlaufe des Seder-Abends getrunken. Sie erinnern an die vierfache Gliederung der Aufforderung zum Auszug, die Gott einst durch Mose an das Volk Israel richtete: „Ich will euch von der Last des Frondienstes bei den Ägyptern herausführen und euch aus der Knechtschaft erretten und euch erlösen mit ausgestrecktem Arm und durch gewaltige Gerichte. Ich will euch mir zum Volk machen und will euer Gott sein." Vielfach ist es Brauch, dass der Hausvater, der den Seder leitet, über seiner Kleidung ein weites weißes Gewand trägt. Dieses Gewand trägt er sonst nur am Großen Versöhnungstag; es soll später einmal zu seinem Sterbehemd werden. Der Hausvater nimmt ein Stückchen grünes Kraut, taucht es in das Salzwasser, das seine Frau ihm reicht, und spricht den Segen darüber. Dann ergreifen alle, die an dem Seder teilnehmen, das Kraut, das vor ihnen auf dem Teller liegt. Jeder spricht den Segensspruch darüber und verzehrt das Kraut. Man dankt Gott, der die Kräuter der Erde zur Nahrung des Menschen erschuf. Vor dem Hausvater steht ein verdeckter Teller oder eine Schale. Unter der weißen bestickten Seidendecke liegen, durch kleine Deckchen voneinander getrennt, drei Mazzot. Hanoch, der Vater, zieht die mittlere Mazza hervor und bricht ein Stück davon ab, das bis zum Abschluss der Mahlzeit von ihm verwahrt wird. Feierlich hebt nun der Vater die Platte mit den Mazzot in die Höhe. Dazu rezitiert er einen Abschnitt, der in aramäischer Sprache abgefasst ist. Die Mazzot sind für alle Teilnehmer des Seder-Mahles gleichbedeutend mit dem armseligen Brot, das die Israeliten am Abend vor ihrer Flucht in großer Hast herstellen mussten. An dieses Wort über die Mazzot schließt sich die Einladung zur Teilnahme an diesem Fest an. Da Feste im alten Orient nicht bei geschlossenen Türen stattfanden, richtete sich die Einladung an alle Vorübergehenden: „Dies ist das Brot des Elends, das unsere Väter im Lande Ägypten gegessen haben. Jeder, der hungrig ist, komme und esse! Wer in Not ist, komme und feiere mit uns das Passah-Fest. In diesem Jahr noch hier, im nächsten in Israel. Dieses Jahr sind wir noch Sklaven, im kommenden - Söhne der Freiheit." Damit ist nun der Augenblick gekommen, in dem die Fragen einsetzen müssen: Der Jüngste der Tischgemeinschaft, meist ein Kind, steht auf und singt die vier ersten Fragen. Diesmal ist Chaims Bruder Dror an der Reihe, in einigen Jahren wird es die kleine Josepha sein. Dror beginnt jeden Fragevers, und alle fallen ein: „Was unterscheidet diese Nacht von allen anderen Nächten? In allen anderen Nächten essen wir beliebige Kräuter, In allen anderen Nächten tauchen wir unsere Speisen kein einziges Mal in
Salzwasser, In allen anderen Nächten essen wir freisitzend oder angelehnt, Der Vater wird nun antworten und die Passah-Überlieferung, die Haggada, lesen. Im Laufe des Abends werden im freien Gespräch weitere Fragen gestellt und gemeinsame Antworten gesucht. Nun erhebt der Vater abermals den Kelch. Als Antwort auf den bisher gehörten Teil der Haggada singen dazu alle das Lied, das im Blick auf die Judenverfolgungen aller Zeiten die feste Zuversicht ausspricht, Gott werde sein Volk von neuem erretten: „Die Verheißung, die Gott einst Abraham gab, sie galt unseren Vätern und uns. Die Erzählung ist angekommen bei den Plagen, die über Ägypten kamen, als Pharao das Volk Israel nicht freilassen wollte. Alle zehn Plagen werden gemeinsam aufgezählt. Bei der Erwähnung jeder dieser Katastrophen, die über die Feinde kamen, taucht man den Finger in den Becher, um einen Tropfen daraus zu verschütten. „Blut, Frösche, Stechfliegen, Viehseuche, Pest, Aussatz, Hagel, Heuschrecken, Finsternis, das Sterben der Erstgeborenen." Die verschütteten Tropfen gelten als ein Zeichen dafür, dass Israel sich das Leid der Feinde zu Herzen nimmt. Aus dem Becher der Freude muss etwas fehlen, weil durch die eigene Errettung Leid über die Menschen in Ägyptenland kam. In diesem Sinne heißt es im Talmud: „Als die Engel über dem Wunder am Meere in den Siegesgesang Israels einstimmen wollten, verwehrte Gott es ihnen und sprach: Meine Geschöpfe sinken ins Meer und ihr wollt ein Lied anstimmen?" Aus dem gleichen Grunde wird an den beiden letzten Passah-Tagen der Gesang der Lobpsalmen verkürzt. Der letzte Abschnitt des Vorseders, des Gottesdienstes vor der Mahlzeit, beginnt mit einer feierlichen Handwaschung, zu der jeder ein Segenswort sagt. Nun spricht der Hausvater den Segen über die Mazzot. Er bricht davon ab und isst. Danach reicht er jedem, der am Seder teilnimmt, ein Stück. Jeder spricht den Segensspruch noch einmal für sich, ehe er seinen Anteil verzehrt. Das gleiche geschieht mit einem Stück Mazza, das vorher ins
Bitterkraut getaucht wurde: Zum Abschluss dieses Teils des Seder-Abends legt Hanoch jetzt
etwas von dem braunen Fruchtmus und dem Bitterkraut zwischen zwei Mazzotstücke
und gibt davon ein Stück an jeden Tischgenossen — die Austeilung und das
symbolische Essen vor jeder der Speisen, die einst in Ägypten vor Beginn der
Flucht gegessen wurden, machen jedem Beteiligten eindringlich deutlich, dass er
selber in diese Handlung mit einbezogen ist. In einem der Seder-Abendgebete
heißt es: „Zu allen Zeiten ist es Pflicht jedes Einzelnen, sich alles so vorzustellen, als sei er selber aus Ägypten gezogen." Mit dieser Austeilung ist der Vorseder beendet, der dritte Becher wird eingeschenkt, und Chaim spricht das Tischgebet. Nun erst wird das Essen aufgetragen, das Festmahl kann beginnen. Seinen Abschluss bildet das anfangs beiseite gelegte Stück Mazza, das Aphikomen, das die Kinder nun wieder herausgeben müssen. Sobald das Essen abgetragen ist, schenkt man den vierten Becher ein und beginnt mit dem zweiten Teil der Lobpsalmen. Ehe der Becher völlig geleert wird, singen alle den Ruf: „Im kommenden Jahr in Jerusalem. Im neu erbauten Jerusalem." Nach dem Abschluss sitzt man noch eine Zeitlang beisammen, unterhält sich und singt die alten Volks- und Kinderlieder. Zum festen Bestand gehört das Dajenu, ein Lied, das in fünfzehn Steigerungen die „Stufen der Güte Gottes" beim Auszug aus Ägypten und während der Wüstenwanderung besingt:
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