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Zurück zum Rundbrief vom 26. Oktober 2003 Wie bewerten Juristen Sympathieerklärung
für palästinensische Selbstmordattentäter? In der JÜDISCHEN ALLGEMEINEN Nr 12/03 berichtete Henryk Broder von der ARD-Talk-Show Fliege. Pfarrer Jörg Zink hatte darin seine Bewunderung für palästinensische Selbstmordattentäter zum Ausdruck gebracht. („Ich bewundere sie dafür, dass ihnen ihre Sache und die Sache ihres Volkes und ihrer Religion oder was auch immer, so wichtig ist, dass sie dafür ihr Leben hingeben. Das sind keine Selbstmörder, sondern das sind mutige junge Leute, die sich voll hingeben für ihre Sache... Natürlich werden sie angelogen, aber dass man sie einfach so abschätzig als Selbstmordattentäter bezeichnet, ist einfach nicht gerecht.") Pfarrer Jörg Zinks Judenfeindschaft hat eine lange Tradition. Seit Jahren wird öffentlich darüber gesprochen, nicht nur in der JÜDISCHEN ALLGEMEINEN, sondern auch in anderen Medien. Organisatoren von evangelischen Kirchentagen, wie Bischöfin Margot Käßmann, sind eindringlich auf die antijüdischen Aktivitäten dieses Pfarrers hingewiesen worden. Zink bleibt jedoch im evangelischen und ökumenischen Milieu populär und gefragt. Das ist das eigentliche Problem, wie auch schon in Broders Bericht deutlich wurde, Was aber sagt eine Staatsanwaltschaft zu Zinks Bewunderung der palästinensischen Selbstmordattentäter, die Juden töten? Handelt es sich hier nicht um Billigung einer Straftat, um Billigung von Mord? Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft, die eine entsprechende Anzeige wegen Zinks Äußerungen erhielt, lehnt die Einleitung eines Ermittlungsverfahren ab. Die Begründung von OStA Häußler: „Sollte die Äußerung so gefallen sein, so hätte Jörg Zink außer Acht gelassen, dass palästinensische Selbstmordattentäter nicht nur ihre Leben vermeintlich für ‚die Sache ihres Volkes und ihrer Religion’ hingaben, sondern Menschen, zumeist Zivilisten, darunter auch Kinder, ermordeten. Gleichwohl könnte der Äußerung nicht entnommen werden, dass Jörg Zink derartige Taten guthieß und nicht lediglich seiner Bewunderung für die Bereitschaft zur Selbsttötung, ohne die Auswirkung der Taten auf Dritte werten zu wollen, Ausdruck verleihen wollte." Die weitere Instanz, Generalstaatsanwalt Klaus Pflieger, wurde um Beurteilung dieser Entscheidung und insbesondere deren Begründung gebeten. Ergebnis: Er teilt Bewertung und Entscheidung der Stuttgarter Staatsanwaltschaft. Allerdings der frühere Leiter der Ludwigsburger Zentralen Stelle der Landesjustizverwaltungen zur Aufklärung von nationalsozialistischen Gewaltverbrechen, OStA i. R. Wilhelm Dreßen, beurteilt die Sache anders: „...Ich kann nicht den Mord verdammen und die Opfer bedauern, aber den Mörder bewundern. Wenn wir die Mörder als Helden hinstellen, dann solidarisieren wir uns - ob wir wollen oder nicht - mit ihren Hintermännern. Deswegen irrt die Staatsanwaltschaft, wenn sie eine solche Trennung bei Pfarrer Zink für möglich hält und meint, er hätte möglicherweise lediglich seiner Bewunderung für die Bereitschaft zur Selbsttötung zeigen wollen, ohne die Auswirkung der Taten auf Dritte werten zu wollen. Das geht logischerweise nicht, ohne inzidenter die Opfer zu diskriminieren und sie zu Randfiguren zu erniedrigen, deren Lebensrecht damit niedriger bewertet wird als der fanatische Hass oder die Aussicht auf Belohnung im Jenseits, die die Mörder zu ihrer Tat trieben..." OStA Dreßen hat in seiner langen Tätigkeit an der Zentralen Stelle viele Gerichtsurteile in NS-Prozessen kritisch beleuchtet und in seinen Publikationen schon manche als verfehlt beurteilt. Zinks öffentliche Bewunderung von Terroristen, die Juden töten, kam übrigens nicht ohne deutliche Vorboten. 1995 erklärte Zink die jüdischen Zehn Gebote für „überholt": „Was für einen Wüstenstamm mit patriarchalischen Strukturen vor 4000 Jahren galt, kann für Christen von heute nicht mehr maßgebend sein." (So die Verlagswerbung für Zinks Buch „Neue Zehn Gebote".) In dieser offenen Ablehnung des jüdischen Gesetzes wirkt Zinks Judenfeindschaft wie ein lehrbuchhaftes Beispiel zur Forschung und Theorie des bedeutenden Psychoanalytikers Bela Grunberger zum Antisemitismus. Allerdings stimmt diese Studie („Narzissmus, Christentum, Antisemitismus") nicht optimistisch. |